Die ideale Barschrute – was gilt es zu beachten?

Das Angeln auf Barsch ist extrem spannend und abwechslungsreich. Die Vielzahl an Köder und Methoden fordern von der idealen Barschrute dabei ganz unterschiedliche Eigenschaften. Dieser Ratgeber soll dir helfen, die perfekte Barschrute für deine Bedürfnisse zu finden.

Der Begriff „Barschrute“ ist unglaublich vielschichtig und definiert nicht, wie sich die Rute am Wasser verhalten soll. In den Foren und auf Facebook stapeln sich Empfehlungsfragen und es werden hitzige Diskussionen geführt, welche meistens zu keinem eindeutigen Ergebnis führen. Auch das Tackle-Tester HQ wird immer wieder mit den gleichen Fragen zum Thema Barschrute bombardiert. Deshalb haben wir uns vorgenommen hier nach Möglichkeit alle Fragen zu beantworten, die man rund um das Thema Barschrute haben kann.

Wir freuen uns darauf, zusammen mit euch diesen Guide zu erweitern und weiter zu verbessern. Wenn ihr also Anregungen oder weitere Fragen habt, schreibt sie in die Kommentare oder schickt uns eine Mail an info(at)tackle-tester.de.



RICHTIGE FRAGEN STELLEN


Der Zielfisch ist geklärt – und nun?

Viele Spinnfischer-Wege führen zum Barsch. Waren es früher ausschließlich kleine Spinner, Wobbler und Blinker, hat sich das Angeln auf Barsch mit dem Siegeszug der Gummifische ganz grundsätzlich verändert.

In jüngster Zeit sind mit den vielfältigen Rigs (Texas-, Carolina-Rig und Dropshot zum Beispiel) weitere Methoden hinzugekommen. Jede dieser Methoden stellt dabei unterschiedliche Anforderungen an das Material. Der Angelrute kommt dabei eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Die Ruten-Eigenschaften unterstützen euch bei Köderführung, Bisserkennung und nicht zuletzt dabei, den Köder überhaupt zu den Barschen zu bringen.

Barschrute = Rutenwald? Nicht zwangsläufig…

Welche Methode(n) wollt ihr wo anwenden?

Das ist die erste Frage, die ihr euch selber beantworten müsst. Denn die angewendete Methode oder auch die angewendeten Methoden haben erheblichen Einfluss auf die Wahl der richtigen Barschrute – egal ob es eine Spinning- oder Baitcaster-Ausführung sein soll.

Die zweite Frage lautet: Wo wollt ihr auf Barsche angeln? Nicht jede Rute ist gleichermaßen für jedes Gewässer geeignet. Ein Fließgewässer erfordert unter Umständen ein höheres Wurfgewicht, um das Barschfutter überhaupt in die Nähe der Fische zu bekommen.

Gummifisch am Jigkopf – einer der gängigsten Köder

So kann man bei der Rutenwahl für jede Methode und jedes Barschgewässer vorgehen. Das Problem: wenn man das in der Praxis wirklich tut, landet man eher früher als später irgendwo bei zehn verschiedenen Combos – und das nur für einen Zielfisch.

Deswegen kann man zum Glück mit ein paar Abstrichen gute Kompromisse bei der Rutenwahl auf Barsche eingehen, ohne sich zwangsläufig zu 100% spezialisieren zu müssen. Bei der Suche nach der perfekten Barschrute ist es aber extrem hilfreich sich einmal die Auswirkungen der Ruten-Eigenschaften auf die Performance zu verdeutlichen.

Welche Rolle spielen Aktion, Wurfgewicht, Länge und Taper?

Neben der Methode und den damit verbundenen Ködern spielen noch andere Faktoren bei der Rutenwahl eine entscheidende Rolle. Wir ordnen hier mal die Begrifflichkeiten und erklären das ein oder andere Fachwort (oder auch Buzzwort), das euch immer wieder begegnen wird.

Rutenaktion

Die benötigte oder bevorzugte Rutenaktion wird in erster Linie von der anzuwendenden Methode bestimmt, bringt aber auch andere Auswirkungen mit sich wie z.B. die Wurfweite des Köders.

Der Begriff „Aktion“ beschreibt die Biegekurve der Rute unter Last. Last kann das Ködergewicht beim Wurf oder der Köderführung, aber auch der Widerstand des kämpfenden Fischs während des Drills sein. Die gängigsten Biegekurven werden

    • spitzenbetont
    • semiparabolisch
    • progressiv oder
    • parabolisch

genannt.

Spitzenaktion:
Bei der Spitzenaktion biegt sich nur das 1/3 der Rute, danach setzt ein starkes Rückgrad (Backbone) ein.

Semiparabolische Aktion:
Semi-parabolisch beschreibt man eine Biegung bis etwa zur Hälfte des Blanks. Manchmal wird diese Biegekurve auch „erweiterte Spitzenaktion“ genannt.

Progressive Aktion:
Die progressive Aktion ist der ideale Kompromiss zwischen Spitzen- und semiparabolischer Aktion. Bei der Köderführung arbeitet lediglich die Spitze und unter Last geht die Biegung Richtung Handteil.

Parabolische Aktion:
Bei dieser Aktion biegt sich der Blank tatsächlich bis unmittelbar vors Griffteil.

Grafik zu Rutenaktionen von X-Fast bis Slow

Aktion ~ Taper

Taper

Taper beschreibt die Verjüngung des Ruten-Blanks, also den Durchmesser-Unterschied zwischen Spitze und Endteil des Rohlings (Tip-to-But-Diameter).

Man unterscheidet grob zwischen „slow“ (langsam) und „fast“ (schnell). Gemeint ist damit NICHT die Rückstellgeschwindigkeit des Rutenblanks sondern tatsächlich wie stark sich der Rutenblank zur Spitze hin verjüngt. Verjüngt er sich langsam spricht man von „slow taper“, verjüngt er sich schnell von „fast taper“.

Die grundsätzliche Auswirkung auf die Rutenaktion ist somit klar: Unter gleicher Last biegt sich ein „Slow Taper“-Blank bis 20 Gramm Wurfgewicht auf größerer Länge denn ein „Fast Taper“-Blank mit dem gleichen Wurfgewicht. Zwischen den Verjüngungs-Extremen „X-Slow“ und „X-Fast“ bewegen sich aktuell die Angaben der Hersteller.

Das Taper einer Barschrute ist dabei heutzutage aber nur ein Faktor der die Gesamtaktion einer Rute bestimmt.

Durch neue Wicklungsverfahren oder durch das übereinander legen von mehreren Kohlefasermatten in verschieden Winkeln, kann die Aktion nämlich ebenfalls beeinflusst werden. Deswegen ist der Tip-to-Butt-Diameter (Verjüngungsrate) heute nicht mehr allein ausschlaggebend.

Dennoch ist die Taper-Angabe weiterhin ein wichtiger Indikator: Wird ein X-Fast- oder Fast-Taper angegeben, dann ist eine Spitzenaktion zu erwarten. Umgekehrt darf man bei der Angabe X-Slow oder Slow von einer parabolischen Biegekurve ausgehen.

Alles Taper oder was?

Die Rückstellgeschwindigkeit

Rückstellgeschwindigkeit wird in erster Linie durch das verwendete Material bestimmt. Moderne Qualitäts-Spinnruten bestehen dabei mit Ausnahme ausgewiesener Crankbait-Ruten zum Großteil aus mehreren Kohlefasermatten und aus einem Restanteil Harze. Je nach verwendetem Ausgangsmaterial und dem Druck unter dem diese bei der Herstellung gepresst werden, sind die einzelnen Kohlefaser-Stränge mehr oder weniger einfach zu biegen und flexibel.

  • Eine Rute mit hoher Rückstellgeschwindigkeit, die wenig nachschwingt, wird aus stark gepresstem Material gefertigt sein. Der Harzanteil ist gering.
  • Eine Rute mit langsamer Rückstellgeschwindigkeit besteht tendenziell aus weniger stark gepresstem Material. Außerdem spielen auch die Harze, die zum Verkleben der Matten genutzt werden, eine Rolle.

Für die Praxis in der Barsch-Angelei ist die Rückstellgeschwindigkeit ein wichtiger Wert. Im Zusammenspiel mit dem Taper und der Gesamtaktion der Rute bestimmt sie, wie schnell die Rute nach Biegung durch Belastung wieder in der Ausgangsposition ist.

Die Gesamtaktion der Rute wird durch die Verjüngung (Taper) und die verwendeten Materialien bestimmt. Die Begriffe „Slow“ und „Fast“ beschreiben nicht die Rückstellgeschwindigkeit der Rute. Dieser Wert lässt sich aus den Herstellerangaben letztlich nicht ablesen.

Power

Die angegebene Power beschreibt die generelle Steifheit des Blanks bzw. seine Widerstandsfähigkeit gegen das Biegen.

Die Powerklassen reichen von Ultra Light, Light, Medium Light, Medium, Medium Heavy, Heavy bis hin zu Extra Heavy. Die Power hat auch Einfluss auf das angegebene Wurfgewicht und die Empfehlung der zu verwendenden Schnurklasse. Bei der Bezeichnung gibt es leider Hersteller übergreifend keine Norm. Das kann bedeuten, dass eine Medium Light Rute des Herstellers A ein anderes Wurfgewicht und Line Rating als die Medium Light des Herstellers B aufweist.



In Abhängigkeit des Wurfgewichts kommt für eine Barschrute eigentlich nur der Power-Bereich Ultra Light bis Medium Heavy in Frage. Ruten mit Heavy Power oder höher sind in der Regel viel zu stark, um vernünftig auf den Zielfisch Barsch zu angeln.

Kleiner Exkurs: Die Power-Angabe ist auch abhängig vom Überbegriff der Angelart. Eine Rute aus dem Salzwasserbereich mit Power Rating Medium Light kann ein viel höheres Wurfgewicht und ein höheres Line-Rating aufweisen, als eine Süßwasserrute mit der gleichen Power.

ML Rute mit viel Power im Backbone

Das Wurfgewicht

Das Wurfgewicht einer Rute gibt den Bereich (min. — max.) des geeigneten Ködergewichts an. Die aufgedruckte Angabe der Hersteller entspricht leider oft nicht der Realität. Das liegt entweder tatsächlich an einer falschen Einschätzung oder ist der Übersetzung bzw. Umrechnung von Unze auf Gramm geschuldet. Außerdem verkaufen sich Ruten mit einem sehr breitem Wurfgewichtsbereich besser, da sie automatisch mehr potenzielle Kunden ansprechen.

Wurfgewichtsangabe auf einem Rutenblank

Die Schnurklasse bzw. Line-Rating

Bei manchen Herstellern findet man eine zusätzliche Angabe auf dem Blank aufgedruckt, nämlich das sogenannte Line-Rating. Diese Angabe soll dabei helfen, eine passende Schnur für die Spinnrute zu finden, welche mit der Aktion harmoniert. Hier muss man aufpassen, ob eine monofile Schnur, eine geflochtene Schnur (PE) oder gar Fluocarbon angegeben ist. Der Wert des Line-Rating wird entweder in lb angegeben oder aber in der PE-Klasse .

Rutenlänge

Die Rutenlänge hat Einfluss auf das Handling und die maximale Wurfweite einer Rute. Lange Ruten z.B. bieten einen besseren Hebel beim Anschlag. Sie helfen auch dabei den Fisch von Hindernissen fernzuhalten und erreichen leichter hohe Wurfdistanzen. Der letzte Punkt – also die Wurfweite – wird aber mehr von der Aktion beeinflusst, also von der Rutenlänge.

Die maximale Wurfweite einer 2,70m Rute unterscheidet sich nur geringfügig von der einer 2,40m langen Rute. Lange Ruten haben aber auch Nachteile: je nach Uferbewuchs kann man sie nur beschränkt einsetzen, sie weisen oft eine Kopflastigkeit auf und durch den längeren Griff sind sie für Methoden wie das Twitchen von Hardbaits nicht so gut geeignet.

Bei der Rutenlänge wägt man oft auch ab, ob man öfter vom Ufer oder vom Boot aus fischt. Ruten die auf dem Boot zum Einsatz kommen wählt man lieber kürzer, da sie das Handling an Bord erleichtern und man meistens auch nicht so weit werfen muss. Wenn vom Ufer aus die heißen Spots auf Maximaldistanz entfernt sind, bringt einem eine längere Rute die entscheidenden Meter.

 So genannte Eging Ruten aus Japan sind besonders gute Weitenjäger

SPEZIELLE BARSCHRUTEN


Neben den „normalen“ Barschruten aus durchgehendem Kohlefaserblank, gibt es weitere – wir nennen sie mal Spezialruten – die für einige Methoden besonders gut geeignet sind.

Barschrute mit Solid Tip

Im Gegensatz zu einer Tabular Tip (kommt bei allen üblichen Spinn- und Baitcastruten zum Einsatz) ist eine Solid Tip nicht hohl, was sie stabiler und flexibler beim Biegen macht. Die Solid Tip wird in den hohlen Blank eingespleißt und dient in erster Linie als verlässlicher Bissanzeiger bei vorsichtigen Anfassern (ähnlich wie bei einer Feederrute). Vor allem im Bereich der Finesse-Angelei, kann die Solid Tip ihre Stärken am besten ausspielen und eignet sich besonders gut für Rigs wie Drop Shot, Weightless, Wacky, Texas und Carolina.

Aber auch Microjigs und leichte Cheburashka profitieren von der feinfühligen Präsentation. Selbst bei der Solid Tip unterscheiden sich die Eigenschaften: es gibt sehr sensible bzw. weiche Solid Tips und straffere Versionen.

Solid Tip der Shimano Zodias 264UL-S

Feinfühlig bei Mikroködern

Normalerweise gibt es Barschruten mit Solid Tip nur in den unteren Wurfgewichtsklassen bis etwa 20 Gramm Wurfgewicht. Ruten mit Solid Tip sind in der Aktion meistens sehr auf die Spitze beschränkt und die Sensibilität der Spitze lässt keine direkte Köderführung zu – oder besser gesagt: je höher das Ködergewicht bei einer Solid Tip Rute wird, desto mehr Kraft verpufft in der Spitze.

Solid-Tips sind gerade im UL-Bereich allerdings sehr verbreitet, erlauben sie doch eine sehr feinfühlige Präsentation der superleichten Köder.

Einen guten Artikel zu Solid vs. Tabular Tip findet ihr hier ab Seite 14 – Rockfishing – Tabular vs. Solid (Page 14-15) .

Solid Tip gut geeignet für sehr leichte Montagen

Barschrute mit hohem Glasfaseranteil

Der Vorreiter des Blankmaterials bei Angelruten war die Glasfaser. Viele sind der Meinung, dass es sich bei einer Rute mit hohem Glasfaseranteil immer um einen Schwabbelstock handeln muss – das ist allerdings ein fataler Irrtum. Glasfaserruten findet man heute im Salzwasserbereich, aber auch in der Bass-Szene sind sie in Spezialruten für Crankbaits gerne gesehen.

Glasfaser ist nicht so hochmoduliert wie Kohlefaser und man bekommt deswegen weniger Feedback vom Köder. Gerade bei Crankbaits ist diese Eigenschaft herzlich willkommen, denn die starken Vibrationen der Crankbaits können auf Dauer ganz schön unangenehm für den Angler sein. Was beim Bass funktioniert, klappt in der Regel auch beim Barsch – dennoch sind Glasfaserruten bei uns in Deutschland wahre Exoten.

Ein Exot – Tailwalk Fullrange BC mit hohem Glasfaseranteil

Egingruten zweckentfremdet als Barschrute

Seit einigen Jahren werden auch bei uns Egingruten aus Japan, die eigentlich für die Angelei auf Tintenfische entwickelt wurden, für die Uferangelei auf Barsch eingesetzt. Dadurch das bei dieser Angelart der sog. Egi-Lure ähnlich wie beim Jiggen mit schnellen Sprüngen über den Grund geführt wird, kann man die Ruten perfekt zweckentfremden. Eging Rods sind in der Regel zwischen 2,30 und 2,70m lang und verfügen über enormes Weitwurfpotenzial. Die Beringung fällt meistens sichtbar anders aus (sehr kleine Ringe mit kurzen Stegen), um den Blank nicht unnötig träge zu machen und ihn nicht auszubremsen. Der Gewichtsnachteil und die vorhandene Kopflastigkeiten von klassischen Spinnruten mit dieser Länge, wird von Eging Ruten durch ein sehr geringes Gesamtgewicht neutralisiert.

Klassicherweise verfügen diese Ruten auch über einen recht langen Foregrip. Greift man die Rute vor der Rolle sind die Stecken dann nahezu perfekt ausbalanciert.

Das Optimum an Wurfweite dank Eging Rute – hier die Tailwalk Moonwalker

RUTE NACH METHODE


Um die ganze Theorie jetzt in eine konkrete Auswahlhilfe für die Rutenauswahl umzumünzen, haben wir die Aktionen den Methoden oder Ködern zugeordnet, die unserer Meinung nach am meisten von einer bestimmten Aktion profitieren.

Spitzenaktion (Identikatoren: Ex-Fast oder X-Fast, Fast Taper)

  • Dropshot
  • Texas Rig
  • Carolina Rig
  • Spinnerbaits / Chatterbaits / Spoons
  • Jiggen (viele bevorzugen aber unabhängig von der Aktion eine relativ straffe Spitze)
  • Twitchen (viele bevorzugen aber unabhängig von der Aktion eine relativ straffe Spitze)

Progressive Aktion (Identikatoren: Regular Fast, Med Fast Taper)

  • bedient viele Methoden gut, aber nicht perfekt (Allrounder)

Semiparabolisch bis parabolische Aktion (Identikatoren: Moderate, Regular, Slow Taper)

  • nach Vorliebe: Crankbaits / Spinnerbaits / Chatterbaits – alles was man „stupide“ einkurbelt
  • Swimbaits mit Drillingen
  • tendenziell Multi Hook Baits – Köder mit Drillingen

Gerade Einsteigern erschließt sich vielleicht jetzt noch nicht, warum die Aktion einer Barschrute so entscheidend für die Köderführung und damit letztlich für den Fangerfolg und dem Spaß am Angeln ist. Deshalb stellen wir hier noch einmal die vier Basistechniken und ihre Anforderungen vor.

Die schlechte Nachricht dabei: Die eine „beste“ Barschrute gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen, die die Methoden an die Rutenaktion stellen. Hinzukommen Faktoren wie Wurfweite und benötigte Ködergewichte. Die gute Nachricht ist: Mit einer oder zwei Ruten kommt man dennoch sehr gut durch das Barschjahr.

Anforderungen an eine ideale Jig-Rute für Barsche

Beim Jiggen ist es das Ziel, den Köder (zum Beispiel einen Gummiköder am Bleikopf) in unterschiedlich großen Sprüngen zackig über den Gewässergrund zu führen. Dadurch erfordert die Methode „Jiggen“ eine Rute, welche die Animation des Anglers ohne großen Puffer direkt auf den Köder überträgt. Die Rute darf also nicht zu nachgiebig sein, denn sonst verpufft die Bewegungs-Energie, mit der wir eigentlich den Köder animieren wollten in der Biegung des Rutenblanks.



Des Weiteres erwarten wir von der Rute beim Jiggen ein haptisches Feedback bei Grundkontakt des Köders. Schlägt der Köder auf dem Gewässergrund auf, sollte das in der Rutenhand gut spürbar sein. Eine gute Rückmeldung der Rute hilft uns auch, selbst vorsichtige Bisse zu erspüren. Da Barsche ein relativ fragiles Maul haben, sollte die Rute beim Drill allerdings schön mitarbeiten, damit der Fisch nicht ausschlitzt.

Eigenschaften einer Spinnrute zum Jiggen auf Barsch:

  • straffe, wenig gepufferte Spitze für eine zackige und direkte Köderfühung
  • sehr gute Rückmeldung bei Grund- und Fischkontakt
  • eine gewisse Drillfreudigkeit

Insofern unterscheidet sich eine Barsch-Jigge nicht von einer Zander-Jigge. Die grundsätzlichen Anforderungen sind gleich. Da beim Angeln auf Barsche jedoch die Ködergröße und das Bleigewicht in der Regel leichter gewählt werden, muss eine gute Barsch-Jigge Aufladung beim Wurf und Rückmeldung sowie Steifheit bei der Köderführung auf einem niedrigeren Belastungs-Niveau verbinden.

Jigs wollen zackig und ohne Verzögerung animiert werden

Anforderungen an eine ideale Rig-Rute für Barsche

Texas-, Carolina-Rig und die Dropshot-Methode haben sich bei Barsch-Anglern flächendeckend durchgesetzt. Grundsätzlich handelt es sich dabei ebenfalls um Methoden, bei denen der Köder bodennah angeboten und mit Rutenbewegungen animiert wird.

Im Unterschied zum Angeln mit dem klassischen Bleikopf lassen sich T- und C-Rig aber sehr viel langsamer und gefühlvoller anbieten. Das bedeutet aber auch, dass die klassischen Absinkphasen kürzer ausfallen, wenn das Rig über den Grund gezittert oder gar geschliffen wird. Viel Bisse erfolgen, wenn der Köder bzw. das Gewicht am Grund ruht. Beim Angeln mit dem Dropshot-Rig ist das ja sowieso beinahe permanent der Fall.

Ideale Rig-Ruten verfügen deshalb über eine deutlich nachgiebigere Spitze als das reinrassige Jigruten tun. So wird dauerhafter Köderkontakt gewährleistet. Beim Biss können die Fisch den Köder einfach einsaugen ohne, dass eine harte Spitze diesen Impuls abblocken würde und es zu Fehlbissen kommt.

X-Fast oder Fast Taper fürs feine Zupfen von Rigs

Anforderungen an eine ideale Twitchbait-Rute für Barsche

Twitchbaits zählen ohne Zweifel zu den fängigsten Barschködern. Diese Köder-Familien werden durch Schläge mit der Rutenspitze in die lockere Schnur animiert. Deshalb muss eine ideale Rute für diese Köder über eine straffe Spitze und hohe Rückstellgeschwindigkeit verfügen. Außerdem sollten die Ruten über ein kurzes Griffteil verfügen, damit man sich nicht selbst bei der Köderanimation im Weg steht. Gleiches gilt für die Gesamtlänge: Ist die Rute zu lang gelingt die Köderanimation nicht ideal. Paradoxon: viele Angler lieben es mit einer weichen Spitze zu twitchen, welche die Schläge dann sogar extra puffert – ein weiteres Beispiel warum die Rutenwahl oft so individuell ist.

Die Fische haken sich in aller Regel selbst an den scharfen Drillingen und Bisserkennung spielt bei einer reinen „Twitche“ keine große Rolle. Barsch-Wobbler wiegen aber in der Regel nur zwischen 3 und 7 Gramm. Deshalb muss sich eine Twitchbait-Rute für die Angelei auf Barsche bereits in diesem Ködergewichtsbereich gut aufladen, um vernünftige Wurfweiten zu erreichen.

Typischer Twitchbait

Anforderungen an eine ideale Allround-Rute für Barsche

Die ideale Allround-Rute für Barsche vereint die größtmögliche Schnittmenge aller bisher genannten Eigenschaften. So eine Rute verfügt über eine etwas weichere Spitze als das ausgewiesene Jig- und Twitch-Ruten tun. Dennoch sollte sie spürbar straffer ausfallen, als man das von einer reinen Dropshot-Rute erwarten würde.

In diesem Spannungsfeld der unterschiedlichen Anforderungen kann man nun seine persönlichen Präferenzen festlegen und durch geschickte Kombinationen der Eigenschaften sogar noch einen Fokus auf die anvisierte Haupttechnik legen.

Allround Baitcastrute

SEINE BARSCHRUTE FINDEN


Den Theorie-Part haben wir damit eigentlich (vielleicht auch endlich) durch. Aber wie findet man jetzt die beste Barschrute für seine persönlichen Bedürfnisse? Eigentlich ist das nicht so schwer. Grundsätzlich muss man sich nur vier Fragen beantworten und die Antworten gewichten.

Welche Ködergewichte will ich bzw. muss ich fischen?
Welche Aktion sollte meine Rute haben?
Welche Methoden bevorzuge ich?

Welche Wurfweiten muss ich erreichen?

Ködergewichte

Die Antwort auf diese Frage auf diese Frage steht eigentlich über allem und ist das wichtigste Kriterium für die Rutenwahl. Denn das Ködergewicht bestimmt logischerweise das benötigte Wurfgewicht eurer neuen Barschrute und lässt zudem Rückschlüsse auf die benötige Power-Klasse der Rute zu.

1-7 Gramm Ködergewicht: UL oder L
5-10 Gramm Ködergewicht: L oder ML
5-14 Gramm Ködergewicht: ML
7-20 Gramm Ködergewicht: M

Aktion

Im nächsten Schritt müsst ihr euch für eine Aktion entscheiden. Das geht am Besten nach dem bevorzugtem Einsatzgebiet und doch ist es nicht so einfach, weil auch die persönlichen Vorlieben des Anglers hier eine wichtige Rolle spielen.

Der kleinste gemeinsame Nenner bei allen von uns beschriebenen Techniken ist aber eine spitzenbetonte Aktion (Fast). Damit lassen sich alle Methoden vernünftig bedienen.



Für Cranks sind langsame Taper (Slow und angrenzende) die beste Wahl. Das leichte und extrem feine Gezuppel gelingt am besten mit X-Fast-Ruten, die über eine Solid-Tip verfügen.

Wurfweite

Die Länge einer Rute hat einen geringeren Einfluss auf die maximale Wurfweite, als man denkt – von sehr kurzen Ruten unter 1,90m mal abgesehen. Wichtiger ist die Rückstellgeschwindigkeit in diesem Zusammenhang. Wer eine ausgewiesene Weitwurfrute benötigt, wird aber trotzdem im Bereich ab 2,20m suchen wollen. Längere Ruten haben nämlich zudem den Vorteil, dass man mit ihnen Anschläge auf Distanz besser durchbringt. Ebenfalls gelingt die Köderführung auf Distanz besser. Stichwort Winkel zur Wasseroberfläche.

Allroundig sind Ruten von 1,95 m – bis 2,20 m. Sie bieten den besten Kompromiss aus Handling und Köderführung/Anschlag.

FAZIT


Eigentlich ist der Weg zur für euch und für eure Anforderungen perfekten Barschrute nicht so kompliziert. Gerade Einsteiger sollten sich von der Unzahl an Ruten und Bezeichnungen auch nicht verwirren lassen. Dennoch lohnt es, sich vorher ein paar Gedanken über die bevorzugte Technik und den Einsatzort zu machen. Auch das Verständnis von Begriffen wie Taper, Power, Rückstellgeschwindigkeit usw.  hilft bei der Auswahl enorm und verhindert teuere Missverständnisse.

Denn eines ist klar: Wer mit dem falschen Werkzeug loszieht, wird deutlich weniger Spaß am Angeln haben.

Fragen, Anregungen Lob oder Kritik? Wir freuen uns auf euer Feedback in den Kommentaren oder unter info (at) tackle-tester.de! 

Spaß am Angeln mit dem richtigen Barsch-Tackle

2 Kommentare

  1. captn-ahab on

    Ein schöner Artikel. Dürfte vor allem für Anfänger viel drin sein.

    Am Ende sollte der Tipp immer stehen: wer billig kauft…kauft doppelt.

    • Jan

      Hi,

      danke Dir! Was „billig“ ist, ist ja auch ein bisschen Ansichtssache, aber grundsätzlich hat gutes Tackle natürlich schon seinen Preis. Da gehe ich voll mit 🙂

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