12 hilfreiche Tipps für Baitcaster-Einsteiger

Das Angeln mit der Baitcaster macht extrem Spaß, kann aber auch extrem frustrierend sein. Gerade Anfänger kämpfen mit Vogelnestern auf der Baitcast-Rolle und mangelnden Wurfweiten. Wir haben für euch die 12 wichtigsten Baitcaster-Tipps zusammengestellt, damit das bald der Vergangenheit angehört oder gar nicht erst vorkommt.

Bevor man mit der Anschaffung einer Baitcaster-Combo liebäugelt, sollte man sich ein paar Fragen stellen, die wir hier für euch gesammelt haben. Wenn ihr schon wisst, dass ihr das Baitcasten ausprobieren wollt, seid ihr hier aber genau richtig. Diese Tipps sind primär für Anfänger gedacht, aber auch für Angler, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben und mit dem Baitcasterangeln Probleme haben, könnten hier den ein oder anderen hilfreichen Hinweis finden.



1. EINSTELLUNG BAITCASTER-ROLLE

Bevor es das erste Mal ans Wasser geht, sollten sich Baitcaster-Neulinge mit ihrem neuen Spielzeug eingehend beschäftigen. Welche Funktionen hat meine Baitcaster-Rolle? Welches Ködergewicht fühlt sich an der Rute „richtig“ an? Gerade japanische Hersteller neigen bei den Wurfgewichts-Angaben ihrer Ruten zu Untertreibungen. Meistens kann man getrost zwei Gramm zu den Angaben hinzurechnen. Ein gutes Gefühl für die richtige Einstellung der Baitcaster-Rolle kann man dabei schon sehr gut im Trockendock entwickeln. Aber selbst Profis fangen bei neuem Set-ups meist so an, wenn es das erste Mal ans Wasser geht:

  • Die Fliehkraftbremse und/oder (wenn vorhanden) die Magnetbremse werden auf das Maximum gestellt. Mit mehr Erfahrung kann man auch etwas darunter bleiben.
  • Die Spulenbremse – auch Achshemmung genannt (neben der Sternbremse) – wird so eingestellt, dass der Köder beim betätigen der Daumentaste („Wurfmodus“) langsam fällt. Die Rute sollte dabei im 70-Grad-Winkel gehalten werden. Wichtig: wenn der Köder den Boden oder die Wasseroberfläche berührt, sollte die Spule sofort und ohne Vogelnest stehen bleiben.

Das ist sozusagen die Einstellung für Anfänger und Sicherheitsfanatiker. Die Wurfweite ist dabei weit unterhalb des Maximums, aber die Perücken-Gefahr ist sehr niedrig. Von diesem Rollen-Setup tastet ihr euch jetzt weiter vor und lockert nach und nach die Einstellungen.

Wirkweisen der Bremssysteme

Ob Shimano, Daiwa, Abu Garcia oder andere Baitcaster-Hersteller: Die Rollen haben an der Seite ohne Kurbel meist eine weitere Einstellmöglichkeit für das Spulen-Bremssystem. Hinter der Sternbremse findet man normalerweise den Regler für den generellen Spulendruck (Achshemmung). Die zusätzlichen Systeme lassen sich dabei grob in zwei Wirkweisen aufteilen:

  • Magnetbremse
  • Fliehkraftbremse bzw. Zentrifugalbremse

Die Spulenbremse bzw. Achshemmung hat ihre größte Auswirkung am Anfang und am Ende es Wurfs, während die Fliehkraft- oder Magnetbremse die Spule während des Wurfs kontrolliert.

Magnetbremsen wirken in der Regel über die gesamte Wurfdauer etwa gleich stark und bremsen die Spulenrotation kontinuierlich. Allerdings haben die Hersteller nun auch begonnen, Magnetbremsen zu entwickeln, die bei höheren Rotationsgeschwindigkeiten effektiver eingreifen.

Andere Systeme funktionieren durch Reibungswiderstand. Es gilt dabei  grundsätzlich: Je höher die Spulendrehgeschwindigkeit, desto höher die Reibung (=Bremskraft).

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Das SVS-System (Fliehkraftbremse) von Shimano funktioniert mit Pins. Foto: tackle-tester

Shimano setzt dabei in letzter Zeit verstärkt auf ein System mit Bremsklötzchen (Pins) namens SVS Infinity. Durch das Einstellrad an der Seite bringt ihr die Pins lediglich näher an die Spule (höhere Einstellung = mehr Reibung) oder dreht die Bremsaufhängung weiter zurück. Wer sich für das SVS-System interessiert, findet einen sehr guten Artikel des fantastischen Johannes Dietel auf der der Shimano Pro Staff-Seite .

Daiwa hat mit dem MAGFORCE-System eine Magnetbremse mit feiner Einstellung am Start. Foto: tackle-tester.de

Daiwa setzt eher auf Magnetbremsen und ein System namens MAGFORCE teilweise mit SV Spool (steht für „stress free versatile“) oder auch in Kombination mit dem Zusatz MAGFORCE Z.

Dabei wird die Spule direkt über eine kleine Zusatzspule abgebremst und ebenfalls in der Rotation gehemmt. Das geschieht mittels Magnetismus, der auf die kleine Extraspule wirkt. Rollen mit MAGFORCE Z haben eine flexible Spule, die im Wurf unterschiedlich stark abgebremst wird.

  Daiwa MAGFORCE / MAGFORCE Z erklärt

Andere Hersteller haben andere Schleifbremsen entwickelt. Auch Kombinationen aus Fliehkraftbremsen auf Reibungsbasis und Magnetbremsen wie im Preis-Leistungs-Hit Kastking Stealth   (Link zu amazon) sind nicht ungewöhnlich.

Auch Abu Garcia als weiterer namhafter Baitcaster-Hersteller hat mit dem Infini-Brake-System eine Kombination aus Fliehkraft- und Magnetbremse am Start, das zum Beispiel in der Revo Beast zum Einsatz kommt. Bei Abu heißen die reinen Magnetbremsen übrigens MagTrax. Auch hier wird die Bremskraft mittels der Entfernung Magnet zu Spule bestimmt und lässt sich von außen einstellen.

  Abu Garcia / MagTrax Magnetbremse 

Welches Baitcaster-Brems-System für wen?

Die Frage lässt sich nicht ohne weiteres beantworten. Jedes System hat etwas für sich und alle funktionieren!

  • Das Shimano SVS-System hat den Vorteil, dass sich die Pins (Bremsklötzchen) einzeln aktivieren lassen (heruntergeklappt ist aktiv!). Allerdings muss dazu jedesmal die Sideplate geöffnet werden.
  • Das Daiwa-System MAGFORCE lässt sich dagegen komplett von außen einstellen. Für Anfänger ist das aus meiner Sicht deutlich angenehmer, weil eine Einstellmöglichkeit (Pins) komplett wegfällt. Dafür hingt die maximale Wurfweite oft dem SVS von Shimano hinterher.
  • Auch das MagTrax-System aus dem Hause Abu Garcia ist komplett von außen einstellbar. Hier wirkt die Magnetbremse über die ganze Wurfdistanz gleich stark. Was die preislich attraktiven Abus ebenfalls zu einer guten Wahl für Einsteiger machen.

Alle Systeme und auch beispielsweise das Kastking-Doppelsystem bei Ködergewichten ab 5 Gramm sind absolut praxistauglich. Darunter sollte es dann schon eine ausgewiesene BFS-Baitcaster-Rolle sein, die bislang aber auf dem deutschen Markt noch weit jenseits der 200 Euro angesiedelt sind.

   Wer viel experimentieren möchte ist bei Shimanos SV-System gut aufgehoben, wer möglichst stressfrei mit der Baitcaster angeln will, sollte zum Daiwa- oder Abu Garcia-System greifen. In höheren Preisklassen haben die Hersteller oftmals weitere Bremssysteme am Start. Grundsätzlich basieren aber alle Bremsen auf den Wirkweisen Magnetismus und Reibung.  

 

KastKing Stralth Baitcaster geöffnet mit Spule und Bremssystem

Vor dem Praxiseinsatz lohnt es sich, seine Baitcaster-Rolle genau kennen zu lernen. Foto: tackle-tester.de

2. MECHANIK DER BAITCASTER

Im Unterschied zu Spinnrollen läuft bei der Baitcaster die Spule beim Wurf mit. Das verändert die Anforderungen an das Wurfverhalten mit der Baitcaster enorm. Ruckartige Wurfbewegungen sind tabu. Dabei wird die Baitcaster-Spule nämlich zu abrupt beschleunigt und Vogelnester sind die unausweichliche Folge.

  Die Beschleunigung der Rute sollte ähnlich wie beim Fliegenfischen linear ansteigen, um dann in einem crispen Stopp zu enden.

Die in der Rute gespeicherte Kraft entlädt sich so gleichmäßig und die Spule kann sauber anlaufen. Das übt man am Besten mit seitlichen Würfen (ähnlich wie man einen Baseballschläger schwingen würde), in denen man die Beschleunigung langsam steigert, bis man Bewegungsgefühl und -vertrauen gewinnt. Vorteil: Man kann sich so selbst beim Werfen zusehen und die richtige Bewegung schleift sich schneller ein.

Die kritischen Zeitpunkte beim Werfen mit der Baitcaster sind unmittelbar zu Beginn (Anlauf der Spule) und zum Ende, wenn der Köder ins Wasser fällt (Stopp der Spule). Also quasi Start und Landung. Die Bremssystem unterstützen den Werfer zwar und mildern die physikalischen Kräfte, aber ganz ausblenden können sie sie logischerweise nicht, deshalb bleibt der Daumen als zusätzliches Element unverzichtbar.

 3. DIE DAUMEN-BREMSE

Kein Bremssystem ist bei der Baitcaster so wichtig wie der Daumen. Er ist vergleichbar mit der Bremse im Auto. Zu Beginn kommt es zu einigen ruckartigen und manchmal übervorsichtigen Bremsmanövern. Nach einiger Zeit weiß man aber, wie und wann man das Bremspedal der Baitcaster einsetzen muss. Das gilt auch für die Reaktionszeit: Mit einer Vollbremsung zur rechten Zeit lässt sich manche Perücke beim Baitcasten vermeiden. Übrigens: Ein bisschen Profil-Abnutzung am Daumen ist durchaus normal.

Trotzdem werden sich Vogelnester nicht vermeiden lassen. Diese sind jedoch meist einfacher zu lösen, als wenn der Wurf ungebremst in die Binsen geht.

Tipp dazu: Mit Daumen und Zeigefinger die Stelle der  größten Verwicklung lockern und danach erst langsam dann ruhig etwas kräftiger und sogar ruckartig an dem freien Schnurende ziehen. Meist löst das auch übel aussehende Backlashes in Sekunden. Wenn es richtig böse ist, dann die Sideplate abnehmen und  die Spule  herausnehmen, dann fummelt es sich leichter.

4. BAITCASTER BESPULEN

Von Spinnrollen ist man es gewohnt, die Spule für optimale Wurfweiten bis zum Rand zu füllen. Bei der Baitcaster kann das Anfängern schnell Probleme bereiten.

Wird die Schnur nicht unmittelbar durch den fliegenden Köder aus der Rolle gezogen, entstehen in der Frühphase des Wurfs richtig fiese Backlashes (Vogelnester). Auch zum Ende des Wurfs sind volle (=schwerere) Spulen ungünstig, da sie mehr kinetische Energie „speichern“. Umgekehrt reagiert eine weniger volle Baitcaster-Spule gutmütiger.

  Man kann sich das ganz gut mit einer Kabelrolle verdeutlichen. Zieht man an der vollen Kabeltrommel gibt sie leicht Kabel frei, dreht aber durch das höhere Eigengewicht auch länger nach (und fängt das freigewordene Kabel). Je leerer die Trommel, desto schwieriger ist es, sie durch Zug in Rotation zu versetzen. Dafür stoppt sie aber auch schneller wenn der Zugimpuls aufhört. 

Natürlich ist die Tiefe einer Baitcaster-Spule vom Modell abhängig. Ausgewiesene Finesse-Baitcasterrollen weisen eine sehr flache und extrem leichte Spule auf. So soll das beste Mittel aus Anlaufimpuls und Nachrotation erreicht werden. Meist passt deshalb auch nur eine extrem geringe Menge Schnur auf diese Rollen – zum anderen sind Fassungen von über 100m beim Finesse-Angeln auch nicht von Nöten.

Die meisten Baitcaster fassen allerdings weit mehr Schnur als man je benötigen wird. Einsteiger machen sich das Leben deutlich leichter, wenn sie die Spule nicht bis zum Rand füllen. Eine Dreiviertel-Füllung ist eine gute Wahl und unterstützt den Lernprozess beim werfen.

  Wichtig: Fluo und auch Mono sollte vor dem ersten Einsatz mindestens 48 Stunden fest aufgewickelt auf der Rolle liegen. Sonst passt sich das Material nicht an die Spule an und springt bei nachlassender Spannung von der Rolle, was unweigerlich in richtig fiesen Vogelnestern endet. 

Beschleunigen kann man die Anpassung, in dem man die gewickelte Baitcaster-Spule leicht mit einem Fön erwärmt oder die Schnurspule beim Aufwickeln in lauwarmes Wasser legt. 

Spule der KastKing Stealth Baitcaster

Wenn die Spulte der Baitcaster nicht bis zum Rand gefüllt ist, wirft es sich zu Beginn leichter. Foto: tackle-tester.de

5. KÖDER ZUM START

Immer wieder liest man, das Baitcasten sei eine teure Sache und unter 300 Euro Investition brauche man gar nicht damit anzufangen. Das stimmt. Allerdings nur, wenn man Ködergewichte unter fünf Gramm auf Maximalweite feuern will.

Doch selbst mit dem besten (teuersten) Gerät erfordert das Werfen von Miniködern einige Erfahrung. Grundsätzlich bieten Baitcaster beim Angeln mit Kleinstködern meiner Meinung nach auch keine großartigen Vorteile.

Viel leichter tun sich Einsteiger im Ködergewichtsbereich ab 10 Gramm. Viele heutige Baitcaster-Fans haben dabei ihre ersten Erfahrungen übrigens beim Hechtangeln mit Ködern von 30 Gramm aufwärts gemacht. Schwerere Köder machen vieles leichter, was dem Baitcaster-Neuling sonst schwer fällt.

  • Sie sind nicht so windanfällig
  • Gröberes Material verzeiht eher Wurffehler
  • Die mechanischen Gesetze der Baitcaster-Rolle lassen sich eher „erfühlen“

Doch auch mit Baitcast-Ruten bis 15 Gramm Wurfgewicht und entsprechenden Rollen lässt sich das Angeln mit der Baitcaster schnell verstehen, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt.

6. AUS FEHLERN LERNEN

Jedes Vogelnest und jeder unbefriedigende Wurf hat einen Grund. Meistens ist leider der Angler schuld. Nachlassende Konzentration und plötzliche Fehler in der Wurfbewegung kennt jeder Baitcaster-Angler – genauso wie die Folgen. Dann hilft es meist, sich auf die Basics zu besinnen oder einfach mal ein paar Minuten Pause zu machen.

Ebenfalls hilfreich: Den Köder dann eine Nummer schwerer zu wählen. Was definitiv nicht hilft, ist wild an den Einstellungen der Rolle zu spielen oder Gewaltwürfe anzusetzen. Mit Kraft geht beim Baitcasten absolut gar nichts.

Angler am Ufer des Hafen von Gent

Reichlich Platz und kaum Hindernisse: Das macht den Baitcaster-Einstieg am Wasser leichter. Foto: tackle-tester.de

7. DER RICHTIGE ÜBUNGSPLATZ

Ob am Wasser oder auf der grünen Wiese – ein bisschen Übung schadet weder Anfängern noch Baitcaster-Fortgeschrittenen. Ein paar Dinge gibt es zu beachten.

  • Platz zum Auslaufen von Vogelnestern (Ufer ohne Hindernisse)
  • Auf der Wiese kann höheres Gras nerven, weil sich euer Trainingsgewicht immer wieder darin verfängt
  • Auf den Wind achten – Rückenwind ist definitiv hilfreich
  • Stehende Gewässer und schwimmende Köder eignen sich besser, weil dann der Köder nicht abtreibt oder Hänger produziert, während man eines der unvermeidlichen Vogelnester entwirrt
  • Ein Ziel anzuvisieren hilft und macht Spaß. Ob Handtuch, Eimer oder etwas anderes – Hauptsache man sieht es gut und es ist stabil.

8. WERFEN MIT DER BAITCASTER

Beim Angeln mit der Baitcaster sind erstmal nur drei Würfe relevant:

    • Sidearm-Cast
    • Overhead-Cast
    • Pitching

Ich finde, dass der Sidearm-Cast der einfachste der drei ist, weil man ihn auch optisch gut verfolgen kann und sich quasi beim Werfen zusieht. Ein weiterer guter Einsteigerwurf ist der sog. Rollwurf (Rollcast). Dabei wird die Rute gleich gehalten wie beim Sidearm-Cast, allerdings malt man mit der Spitze eine halbe 8 in die Luft. Durch die kreisförmige Bewegung laden sich bereits leichte Köder ideal auf.

  Grundsätzlich ist es bei allen Würfen leichter, wenn man die Schnelligkeit der Bewegung langsam steigert. Gerade den für die Rutenaufladung so wichtigen Rückschwung lernt man nur vernünftig, wenn man den Vorschwung schon gut drauf hat.

YouTube ist voll mit Erklärvideos zum Werfen mit der Baitcaster. Hier ein gutes Beispiel (auch wenn der Protagonist etwas arg cool rüberkommt).

Außerdem wichtig: Die Vorfachlänge (Pendel) bzw. der Abstand zwischen Köder und Rutenspitze beim Wurf. Es ist deutlich leichter die Rute aktiv aufzuladen, wenn der Abstand nicht mehr als 30 cm beträgt. Gerade bei Ködern unter 10 Gramm verpufft sonst ein Gutteil der Energie.

9. DIE METHODEN

Viele Baitcaster-Anfänger wollen zu Beginn mit Carolina-Rig und Texas-Rig fischen. Das Problem dabei: Beide Rigs fliegen eher mäßig. Das Carolina Rig an der Baitcast-Combo sogar richtig mies. Um das Baitcaster-Werfen zu erlernen, empfehlen sich kompakte Köder (Metallbaits) oder welche mit Weitwurfsystem.

Zum Üben kann man auch gut Wobbler mit gebrochener Schaufel nehmen. Vorteil: Wenn es sich um schwimmende Modelle handelt und keine Strömung herrscht hat man alle Zeit der Welt zum Perücken lösen.

Beim Üben mit Gewichten würde ich von reinen Bleibomben abraten. Einerseits vermitteln sie ein falsches Wurfgewühl durch ihre Kompaktheit, andererseits beschleunigen sie sehr stark zu Beginn und provozieren so eher Perücken. Ein alter Wobbler oder Gummi am Bleikopf tun da bessere Dienste.

topwater baits von pontoon21

Topwater-Baits sind klasse an der Baitcaster: Sie fliegen gut und schwimmen. Foto: tackle-tester.de

10. WELCHE BAITCASTER-RUTE

Baitcaster-Rute, Baitcaster-Rolle und – ebenfalls sehr wichtig – die Schnur bilden ein Gespann, das mehr noch als Spinning-Combos aufeinander abgestimmt sein muss. Bei der Baitcast-Rute ist es enorm wichtig, dass sie vom angegebenen bzw. realen Wurfgewicht zu den Ködern passt.

 In den einschlägigen Foren wird immer viel über die Baitcaster-Rolle diskutiert, aber auch die Rute MUSS zum Ködergewicht passen, um überhaupt vernünftige Wurfweiten und Wurfgenauigkeit zu ermöglichen. Im Klartext heißt das: Sie muss sich durch das Ködergewicht in der Wurfbewegung aufladen. Passt die Rute optimal zum Ködergewicht wirft es sich deutlich entspannter. Dabei ist die Toleranz im Wurfgewicht nach oben größer als nach unten.

  • Eine Rute mit real 15-30 g Wurfgewicht wirft an der Baitcaster 20g entspannter als 10g. Aufladung ist das Zauberwort.
  • Vorsicht bei ausgewiesenen Vertikalruten, die sind in der Regel richtig straff in der Spitze und zum Werfen nicht wirklich gedacht.

Diverse Hersteller haben auch Budget-Baitcaster ab 30 Euro im Programm. Nach einigen Negativ-Erfahrungen auf dem (europäischen) Budget-Markt lasse ich aber die Finger davon.

Ähnlich wie beim Spinnfischen bestimmt die Angeltechnik dabei die Rutenaktion. Zwischen Ruten mit ausgeprägter Spitzenaktion (für Gummianwendungen bzw. Vertikalruten) und parabolischer Aktion (Crankbaitruten) gibt der Rutenwald alle Variationen auch mit Triggergriff her.

Alles Taper oder was?

Für Einsteiger empfiehlt es sich, eine Rute auszuwählen, die eine gute Aufladung im Wurfgewichtsbereich mit einem möglichst breiten Anwendungsgebiet vereint. Als Aktion ist also semiparabolisch (medium fast bis moderate) eine gute Wahl. 



Das Ganze muss nicht unbedingt ultra teuer sein, aber ein paar mehr Euro für eine Rute mit ordentlicher Ausstattung lohnen sich. Bleibt man beim Baitcasten, hat man lange Freude daran oder wenn es doch nichts für einen sein sollte, dann ist wenigstens der Wiederverkaufswert entsprechend hoch.

Baitcaster-Ruten-Empfehlungen

Wir haben einige Ruten-(Serien) ausgesucht, die in verschiedenen Gewichtsklassen verfügbar sind und uns sowohl mit Performance als dem Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt haben.

Ganz leichte BFS-Ruten bis 10 Gramm Wurfgewicht sind hier nicht gelistet. Da ist einerseits das Angebot bis 100 Euro sehr klein und andererseits kommen als Rolle dazu nur sehr hochpreisige Modelle in Frage.

Zudem ist es wirklich nicht sehr sinnvoll, das Baitcasten mit Ködern unter 5 Gramm erlernen zu wollen. Da sind Frusterlebnisse einfach vorprogrammiert.

Wer es dennoch unbedingt auf die leichte Tour möchte und weniger als 100 Euro ausgeben will, sollte sich die Konger Streeto Caster UL 2002 bei Clickbaits.de ansehen  anschauen.

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Die Konger Streeto Caster UL kostet unter 100 Euro: Eine Seltenheit in diesem Wurfgewichtsbereich.

Baitcaster-Ruten bis ca. 50 Euro
Abu Garcia Vendetta   (Angelplatz) 

Mit aktuell nur 35 Euro ist die Vendetta ganz klar die Wahl für alle Sparfüchse. Dafür kann man allerdings auch keine gehobene Ausstattung erwarten. So gibt es beispielsweise nur Zirkonium bei den Ringeinlagen. Allerdings ist die Vendetta-Serie breit aufgestellt und in vielen Wurfgewichtsbereichen erhältlich. Mithin eine gute Wahl für den kleinen Geldbeutel.

Baitcaster-Ruten bis ca. 100 Euro
Major Craft First Cast   (Angelplatz) 

Eine Rutenserie, die in der Einstiegsklasse überzeugt. Gutes Design, Toray Blank  und der günstige aber zuverlässige Fuji ®Concept-O Ringsatz sowie Fuji VSS-Rollenhalter sind schon starke Argumente. Zudem überzeugen die Ruten mit Vielseitigkeit und einer breiten Range was Wurfgewichte und Längen angeht.

A-Tec Crazee Bass   (amazon)

Die Crazee Bass Ruten aus Japan sind ordentlich ausgestattet und verfügen unter anderem über Fuji-Beringung (K-Guides). Die Serie umfasst nur zwei Casting-Modelle (ML = 3,5-10g / M = 5-21 g), wobei beide deutlich mehr Wurfgewicht vertragen als angegeben. Der Blank ist sehr straff lädt sich bei entsprechendem Wurfgewicht aber sehr schön auf! Hier geht es zum Testbericht der M-Version.

Anwendungsgebiete: 

  • Jiggen / Rigs
  • Topwater
  • Twitchbaits /kleine Jerks
Baitcaster-Ruten bis 150 Euro

Die Auswahl hier ist groß – zu groß beinahe. Beinahe jeder Hersteller hat in diesem Segment mindestens eine brauchbare Serie im Programm.

11. WELCHE SCHNUR FÜR DIE BAITCASTER

Mono, Braid (geflochtene Schnur) oder Fluorocarbon? Das ist die Frage. Jede Schnur hat etwas für sich und letztlich ist es Geschmacksache. Zum Üben auf der Wiese darf es ruhig die billigste Mono sein.

Persönlich mag ich Braid auch auf der Baitcaster am liebsten, weil sie am flexibelsten einsatzbar ist. Mit einem längeren Monovorfach kommen auch die Vibrationen von Crankbaits nicht mehr ungefiltert in der Hand an.

Geflochtene Schnur auf der Baitcaster sollte in jedem Fall nicht zu dünn ausfallen. Persönlich verwende ich nicht dünner als (reale) 0,12er (10 lbs), weil dünnere Durchmesser unter Druck auf der Spule einschneiden und so Instant-Perücken erzeugen. Außerdem beeinflusst der Schnurdurchmesser die Wurfweite bei der Baitcaster deutlich weniger als bei der Spinnrolle.

Ob achtfach oder vierfach geflochten – ist meiner Meinung nach ebenso Geschmacksache. Einige Angler mögen die Schnur auf der Baitcaster eher etwas steifer, dann greift man zur vierfach geflochtenen. Für den Anfang tut es sicherlich eine günstige Schnur, dann tun die unlösbaren Backlashes auch nicht so weh.

Fluo hat den Vorteil, dass sie weniger Dehnung als einfache Monofile Schnur aufweist und so die Bisse direkter übertragen werden. Dennoch ist die Dehnung aber sehr viel größer als bei geflochtener Schnur. Fluorocarbon sinkt und ist deshalb für Topwater-Anwendungen ungeeignet. Außerdem ist es etwas teurer als normale Monofile Schnur.

Schnur-Empfehlungen für die Baitcaster

Grundsätzlich wähle ich die Schnur immer mindestens eine Klasse stärker als ich sie bei gleichen Bedingungen auf einem Spinning Set-up wählen würde. Das spart Köder bei Hängern und Backlashes! Außerdem lassen sich Vogelnester mit dickeren Schnüren leichter entwirren.

Monofile Schnur (Nylon) für: 

  • Training
  • Nahdistanz (etwa vom Boot)
  • Crankbaits

Fluorocarbon für:

  • Crankbaits
  • Spinnerbaits
  • Twitchbaits
  • Swimbaits
  • Nahdistanz (ca. 15 Meter) Jigs, Texas-Rig und Carolina-Rig

Geflochtene Schnur (Braid) für:

  • Topwater
  • Nahdistanz und Distanz Jigs, Texas-Rig und Carolina-Rig
  • Swimbaits
  • Spinnerbaits
  • Twitchbaits
  • Spoons
  • Spinner

 Insgesamt ist geflochtene Schnur bei mir zum Standard auch auf der Baitcaster-Rolle geworden. Lediglich bei reinen Crankbait und Twitchbait-Einsätzen kommt Fluo zum Einsatz!

Mittlerweile habe ich eine ganze Reihe an geflochtenen Schnüren auf verschiedenen Baitcaster-Setups getestet und auch im Austausch mit meinen Angelkollegen haben sich einige Favoriten herauskristallisiert.

Sunline Saltimate Cast Away (ca. 40 Euro / 150 m)

Gute Angelschnur für Baitcaster-Rolle Sunline Saltimate Cast Away

Eine der besten Schnüre für die Baitcaster ist die Saltimate Cast Away  von Sunline, erhältlich bei unseren Freunden von lurenatic.de. Dabei handelt es sich um eine relativ steife Hybridschnur, bei der monofile Schnur und PE miteinander verflochten werden. Die Schnur nimmt so gut wie kein Wasser auf und ist sehr langlebig und durch eine Beschichtung mit mehreren Harzen sehr leise. Nachteil: Sie ist nur in babyblau verfügbar und recht teuer. Auch bei den Knoten sollte man unbedingt große Sorgfalt anwenden!

Power Pro Super 8 Slick (ca. 10 Euro / 100m)

Der Klassiker Power Pro   (Link zu Angelplatz.de) ist auch für Baitcaster-Neulinge eine gute Wahl. In vielen Stärken und drei Farben erhältlich wird die Power Pro zu Recht immer wieder empfohlen, wenn es um eine solide Baitcaster-Schnur mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis geht.

Daiwa J-Braid (ca. 10 Euro / 135 m)
 Gute Schnur für Baitcaster-Rolle Daiwa J-Braid x4

Bei Marc hat sich die J-Braid einfach mal komplett durchgesetzt. Kein Wunder: Die Daiwa J-Braid   (Link zu Amazon) ist sehr zuverlässig, farbstabil, lässt sich gut knoten und ist auch auf der Baitcaster absolut zu Hause! Wen es farblich etwas besonderes sein soll, gibt es sie auch in Multicolor. Etwas rauer im Ganzen, aber auch etwas steifer ist die 4-fach geflochtene Version   (Link zu Angelplatz), da die vierfache deutlich günstiger ist, würde ich Baitcaster-Anfängern diese Version ans Herz legen. Damit ist man auf der sicheren Seite.

12. WELCHE BAITCASTER-ROLLE

 

Baitcaster: Shimano Casitas (links) und KastKing Stealth

Zwei Baitcast-Rollen, die für Einsteiger interessant sind: Shimano Casitas (links) und KastKing Stealth. Foto: tackle-tester.de

Der Baitcaster-Rollen-Markt ist noch unüberschaubarer als der Rutenwald. Baitcaster-Rollen gibt es von 20 bis 500 Euro und mehr. Die oft gehörte Faustregel: „Kauf` dir was Vernünftiges!“, hat durchaus einiges für sich. Die Frage ist nur: Was ist was vernünftiges?

Wer partout Kleinstköder werfen will, muss tief in die Tasche greifen. Ab sieben Gramm angepeiltes Ködergewicht gibt es mittlerweile aber einige Alternativen. Je höher das angepeilte Wurfgewicht, desto mehr Alternativen im Einstiegssegment bieten sich.

  Links- oder Rechtshand? Baitcaster-Rollen gibt es für beide Seiten. Wie wählt man die passende für sich aus? Ganz einfach: Kurbelt ihr eine Spinning mit links ist das auch bei der Baitcaster der Fall.

Wichtig dabei: Mehr Kugellager bedeuten nicht unbedingt bessere Performance, eine Rolle mit dualem Bremssystem ist nicht automatisch überlegen. Im folgenden haben wir Produkte herausgesucht, die für Einsteiger passen, ohne den Geldbeutel über Gebühr zu belasten. Die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig (Stichwort Marktvielfalt), aber die Rollen haben uns überzeugt.

Baitcaster-Rollen Empfehlungen

Shimano Casitas  (amazon)

Die Shimano Casitas 151  ist schon etwas länger auf dem Markt, aber eine absolut zuverlässige, leichte Rolle mit sehr breitem Einsatzspektrum. Sie wirft Köder ab 7g und ist absolut pflegeleicht. Dass sie über kein magnetisches Bremssystem verfügt erweist sich in der Praxis als nicht nachteilig. Das SVS System und die Verarbeitung machen sie zu einem tapferen kleinem Arbeitspferd, das auch Köder bis 80 g absolut verträgt.

KastKing Stealth   (amazon)
KastKing Assassin   (amazon)

Die US-Firma ist relativ neu am deutschen Markt, aber mit der absolut leichtgewichtigen Stealth ist ihr hier und in den USA ein Hit geglückt. Langzeittests stehen noch aus aber die Stealth wirft in ihrer Preisklasse konkurrenzlose 6-7 g anstandslos. Bei der Haptik muss man Abstriche machen, aber dafür bekommt man ein duales Bremssystem (magnetisch, mechanisch). Ebenfalls interessant ist die Kastking Assassin, die in diversen Foren bereits Lob für ihre Skills im niedrigen WG-Bereich gesammelt hat.

Abu Garcia Black Max III   (amazon)

Für höhere Gewichte ab 12 g bieten sich auch die Abu Garcia Black Max III sowie die Pro Max an. Vorteile: namhafter Hersteller, erprobtes Design. Die Rollen sind zuverlässig, ordentlich ausgestattet und für größere Köder bzw. höhere Gewichte absolut zu empfehlen.

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4 Kommentare

  1. Ist ein super Artikel und für blutige Anfänger wie mich ein guter Leitfaden. Ich hab allerdings noch eine Frage zu den Schnüren. Abgesehen von der unteren Grenze von einem 0,12er Durchmesser: Wählt ihr die Schnurstärke ansonsten nach den gleichen Kriterien aus wie bei einer Spinnrute oder habt ihr da für den Durchmesser noch einen etwas anderen Leitfaden?

    • Marc

      Ich persönlich benutze keine geflochtenen Schnüre unter 10lb auf der Baitcaster. Je nach dem welcher PE-Wert das ist (z.B. 0.6 oder 0.8) ist das ja auch schon ein ziemlich dünner Faden. Warum nicht dünner? Das liegt halt an der Gefahr von Backlashs: selbst einem geübten Werfer passiert es immer mal wieder, dass man einen Backlash fabriziert. Bei zu dünner Schnur reißt einem da das Tungsten Bullet oder der teure Hardbait bei einem Klemmer sehr schnell ab…

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