Angeln in Spanien – mein Osterurlaub am Ebro

Spanien. Einwohner: 46 Millionen. Hauptstadt: Madrid. Fläche: 505.000km2. Aber wir haben nur ein Ziel: Caspe.

Im Oktober 2015 war ich schon einmal am sagenumwobenen Ebro-Stausee. Zusammen mit Johannes Dietel und einem Trupp Angelverrückter aus dem Barsch-Alarm.de Forum. Nach kleineren Startschwierigkeiten konnten wir damals sensationelle Fänge verzeichnen. Mit am Start waren Felix und Chris, zwei Tackle-Freaks aus dem Raum Freiburg. Und verdammt gute Angler.

Felix und Chris waren im März 2017 in der Ebro-Lodge in Caspe und kehrten mit einem breiten Grinsen nach Hause zurück. Die Unterkunft und Fänge seien bombastisch gewesen. Einen Tag gab es sogar den „Ebro Grand Slam XL“: Zander, Barsch, Schwarzbarsch, Wels und Karpfen. Allesamt auf Kunstköder gefangen. Gerade die temperamentvollen spanischen Karpfen sind dafür bekannt, sich öfters mal an Kunstködern vergreifen.

So stand schnell fest: Ich muss wieder nach Spanien. Felix und Chris hatten wieder für März 2018 gebucht und ich sowie mein Angel-Buddy Sebastian schlossen uns dem Vorhaben an. Glücklicherweise hatten Astrid und Bernd, die Betreiber des Camps, noch genug Zimmer frei.

Im Barsch-Alarm Forum berichteten einige Leute, dass die Fänge in den letzten Wochen leider sehr schlecht ausfielen. Außerdem kündigte der Wetterbericht für mehrere Tage Sturm an. Aus diesem Grund war schnell klar, dass wir möglichst vielseitig sein müssen. Da Sebastian ein Spezialist für Karpfen ist, mussten auch die Karpfenruten mit.

DIE QUAL DER WAHL


Das Tackle fiel daher auch recht umfangreich aus. Wir wollten nichts dem Zufall überlassen, daher wurden meine Rutenrohre mit folgenden Combos bestückt:

  • Kleine Hardbaits: Shimano Poison Adrena BFS + Shimano Aldebaran BFS + Majorcraft Dangan x4
  • Kleine Jigs bis 20g: Shimano Zodias MH + Shimano Stradic CI4+ FB + Majorcraft Dangan x8
  • Rubberjigs & größere Hardbaits: A-TEC Crazee Bass M + Daiwa Alphas/SV 105 + Sunline Super PE
  • Große Jigs ab 20g: Gamakatsu Akilas H + Shimano Sustain + Sunline Super PE
  • Karpfen: 2x Daiwa Black Widow 3lb 10ft + 2x Daiwa Black Widow BR + 0,40er Suffix Mono

Sebastian hatte auch Wels-Tackle dabei. Insgesamt hatten wir zu viert 27 Combos am Start.

Auch bei den Ködern setzten wir auf Altbewährtes von Keitech, Reins, Gambler Lures, Bass Assassin, Gene Larew, Westin und viele mehr. Die Köder haben wir praktisch alle von Camo-Tackle oder dem lokalen Einzelhandel. Nach wochenlanger Planung, mehreren ausgiebigen Shoppingtouren und der Sichtung unzähliger YouTube Videos, ging unser Trip schließlich am 24.03.2018 los.

TAG 1


Am Freitag um 19:00 Uhr ging die Fahrt los. Von Freiburg aus sind es rund 1.250km bis nach Caspe. Schneller geht es natürlich mit dem Flieger, allerdings kann man dann nicht so viel Tackle mitnehmen. In Sebastians neuen VW Caddy Maxi passt eh so einiges.

Wir fuhren die Nacht durch und kamen dann völlig entspannt gegen 09:00 Uhr in Caspe an. Da wir noch ein bisschen Futter holen wollten, ging es erst einmal in den lokalen Angelladen. Mit mehreren Kilo Heilbutt-Pellets und leicht übermüdet aber sehr aufgeregt, trafen wir schließlich in der Ebro-Lodge ein. Letztere liegt direkt am Wasser, in Playa de Charon, einem Ortsteil von Caspe.

Die Lodge selbst besteht aus einem Gebäude, in welches insgesamt vier Doppelzimmer plus zwei kleine aber feine Bäder. Es gibt außerdem einen Pool, einen Lagerraum für Tackle und einen Freisitz. Man wohnt mit Astrid und Bernd , den Betreibern der Lodge, unter einem Dach. Allerdings ist deren Privatbereich natürlich abgegrenzt.

Bild 01 – Spanien 2018

Beim reichhaltigen Frühstück schmiedeten wir den Plan für den heutigen Tag. Astrid und Bernd bestätigten leider, dass die eher schlechten Prognosen der Wahrheit entsprechen. Die Gäste der letzten Woche fingen kaum etwas. Felix und Chris zeigten sich wie gewohnt hartnäckig und fuhren trotz des starken Windes mit dem Boot raus. Sebastian und ich hatten auf der Autofahrt eh nur wenig geschlafen und waren relativ k.o., weshalb wir uns zu einem Karpfen-Ansitz entschlossen.

Bild 02 – Spanien 2018

Da das Camp direkt am Wasser liegt, war auch schnell ein Spot gefunden. Es gibt mehrere Buchten und eine Sandbank, wo wir insgesamt vier Festblei-Montagen mit einem Snowman aus einem Popup-Boilie und einem Heilbutt-Pellet versenkten. Leider war unser Vorhaben nicht von Erfolg gekrönt und wir packten am Abend ohne einen einzigen Biss ein. Bei Felix und Chris ging ebenfalls nichts.

Die beiden hatten mit der Aussage, dass Astrid eine exzellente Köchin ist, nicht übertrieben. Es gab Salat, Spieße mit spanischer Wurst, butterzarte Schweinemedallions, Spargel, neue Kartoffeln, Sauce Hollondaise und spanische Churos mit Eis und Schokolade. Heiliger Heilbutt, haben wir geschlemmt.

Vollgefressen und happy gingen wir bereits um 21:00 Uhr ins Bett, auch wenn wir leider keine Fische an’s Band bekommen hatten.

Bild 03 – Spanien 2018

TAG 2


Frühstück, Boote slippen und los geht’s. Wir starteten bei Mas de la Punta und klapperten die nahegelegenen Buchten ab. Da Sebastian und ich, im Gegensatz zu Chris und Felix, keine Bootsführerscheine haben, durften wir nur das kleine aber sehr stabile Alumacraft Boot nutzen, welches mit einem 15 PS Motor, einem guten Echolot und einem Minn Kota E-Motor mit i-Pilot System ausgestattet ist. Felix und Chris hatten ein großes stabiles Alumacraft Boot mit 80 PS.

Wir waren super heiß darauf, einige Räuber aus dem Wasser zu zimmern. Doch diese hatten wohl andere Pläne. Gelegentlich zeigte das Echolot auch Fisch, aber beißen wollten die Biester einfach nicht. Egal welches Rig und welchen Köder man servierte.

Auf dem Echolot entdeckten wir irgendwann eine gigantische Sichel, vermutlich ein Wels. Sebastian warf mit der Spinnrute und einem 5.8“ FSI in die Richtung und bekam schon nach wenigen Sekunden einen Biss, der ihm fast die Rute aus der Hand riss. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, denn der Fisch blieb leider nicht hängen.

Felix und Chris fingen im Laufe des Morgens drei Zander und am Abend noch zwei Barsche. Aus Letzteren tropfte der Laich, was wohl einer der Gründe sein dürfte, wieso die Barsche so zickig sind.

Enttäuscht fuhren wir zurück zum Camp. Aufgrund des starken Gegenwindes war es ein rund einstündiger Ritt über die Wellen. Allerdings hatten wir so auch genug Zeit, die Landschaft zu genießen. Die steilen Klippen, Inseln, Buchten, versunkenen Wälder, Olivenbäume und Bauwerke entlang des Ufers sind einfach ein eindrucksvoller Anblick.

Am Camp angekommen, setzte sich unsere Unglückssträhne weiter fort. Als wir das Boot am Ufer anlanden wollten, stürzte ich super bescheuert in das Boot und riss mir meinen Ohrstecker heraus. Während ich fluchte und blutete, setzte sich unser Boot noch zwischen zwei Felsen fest. Als ich dann auch noch ins kalte Wasser steigen musste, um das Boot zu befreien, war meine Laune echt auf dem Tiefpunkt.

Abends gab es, wie schon tags zuvor, wieder ein ausgezeichnetes Essen. Selbstgemachtes Pulled Pork, Burger, Salat, Mini-Steaks etc. Für mich war die köstliche Mahlzeit leider nur von kurzer Dauer, denn ich fühlte mich den Tag über eh nicht so gut und verzog mich dann mit Magenschmerzen und Übelkeit ins Bett (am Essen lag es definitiv nicht,  nur um das klar zu stellen).

Bild 04 – Spanien 2018

TAG 3


Nach einer schlaflosen Nacht und diversen Medikamenten, entschloss ich, den Tag ruhig angehen zu lassen. Chris und Felix fuhren trotz des erneut starken Windes mit dem Boot raus – leider ohne Erfolg.

Sebastian und ich gingen noch auf Karpfen, aber auch hier blieb es nur bei einem Fehlbiss.

Immerhin wurden wir später wieder fürstlich von Astrid verköstigt. Piccata Milanese, Pasta, Tomatensoße und Salat. Dann ging es auch zeitnah in die Kiste, denn für Dienstag stand wieder angeln auf dem Programm.

Bild 05 – Spanien 2018

TAG 4


Wie üblich trafen wir uns um 7 Uhr zum Frühstück und Lagebesprechung. Der Windfinder kündigte leider Sturm an, weshalb Sebastian und ichzu einer Ufertour aufbrachen. Felix und Chris wagten den Ritt über die Wellen.

Wir fuhren nach Escatron, etwa 30 Fahrtminuten westlich von Caspe. Dort gibt es riesige Stromschnellen, tiefe Gumpen, Flachwasserzonen und sauerstoffreiches Wasser. Zumindest in der Theorie. Dort angekommen stellten wir nämlich fest, dass dieser kleine und schmale Teil des Ebro-Flusses starkes Hochwasser hat, welches unseren Plan zunichte machte.

Bild 06 – Spanien 2018

Wir machten dennoch einige Würfe. Sebastian mit der Welsrute, ich versuchte mein Glück in den ruhigeren Uferbereichen und Büschen, in der Hoffnung, mit dem Rubberjig den Schwarzbarschen auf die Pelle rücken zu können. Rund zwei Stunden schlenzte ich mit der Crazee Bass M und der SV 105 den River2Sea Rubberjig mit Reins Ring Craw Krebs vor (oder in) alle Büsche, Felsen und Sträucher, die ich finden konnte, doch auch dieser Plan ging leider nicht auf.

Bild 07 – Spanien 2018

Wir fuhren wieder in das Camp und legten die Karpfenruten aus. Erst mal chillen. Während ich diese Zeilen schrieb und bei einer kühlen Cola im Campingstuhl verweile, piepste auf einmal der Bissanzeiger wie wild. Die Schnur erschlaffte und wanderte zugleich schnell nach rechts. Sebastian rennt nach vorne, wartet kurz ab, hebt die Rute und drillt. „Jep, hängt. Oh nein, weg. Doch, hängt. Hä. Irgendwas ist komisch.“

Ein paar Sekunden später sehen wir einen Gummifisch in der Schnur hängen und entdeckten einen Polen aus dem Camp nebenan, der offensichtlich von der danebenliegenden Bucht in unsere Bucht geworfen hatte. „KURWA!“ hallte es zu uns rüber, als er uns ebenfalls entdeckte. Sichtlich verlegen kam er zu uns, entschuldigte sich und sammelte den Gummifisch wieder ein. Unser Puls sank langsam wieder von 150 auf 70. Verdammte Axt. So ein Fisch wäre gut für die Motivation gewesen.

Auch an diesem Tag waren uns die Fische leider nicht wohl gesonnen. Auch bei Felix und Chris hielt sich der Erfolg in Grenzen. Sie hatten nur einen kleinen Zander erwischt.

Wie Ihr Euch bereits denken könnt, war die Krönung des Tages wieder Astrids Abendessen: Thunfischsteak und Kartoffelgratin. Hammer. Und danach ging es vollgefuttert ins Bett.

Bild 08 – Spanien 2018

TAG 5


Um 06:30 Uhr klingelte mein Wecker. Der Windfinder kündigte Sonne, 25 Grad und nur sehr wenig Wind an. Nach dem Frühstück slippten wir das Boot und fuhren in einen Flachwasserbereich Nahe Caspe, da wir hörten, dass dort ereinzelt Fische in flachen Buchten gefangen wurden. Nach erfolglosen 2 Stunden suchten wir weitere Spots auf, doch es tat sich nichts.

Am Mittag knallte die Sonne senkrecht auf unsere Köpfe und wir entschlossen uns, eine gemütliche „Siesta“ im Camp zu machen. Auf dem Weg dorthin warfen wir noch einige Felswände ab, da wir dort Waller oder Schwarzbarsche vermuteten. Und tatsächlich. Irgendwann schrie Sebastian „FISCH, FISCH!“ und die Bremse kreischte wie verrückt. Der Fisch zog zwischen die Felsen, in versunkene Äste, in Spalten und Löcher, verlor den Kampf jedoch. Ergebnis: Ein etwa 10kg schwerer Karpfen hatte sich Sebastians Krebs geschnappt. Nach einer kurzen Fotosession durfte der Genosse natürlich wieder schwimmen.

Bild 09 – Spanien 2018

Trotz der Freude über den ersten Fisch nach 5 Tagen, freuten wir uns dann auf eine ausgiebige Mittagspause. Am Nachmittag fuhren wir in eine Bucht nahe des Camps. Ich warf einen weißen 4“ Swing Impact Richtung Felswand. Plötzlich meine Rute krumm. „Kescher, schnell“, sagte ich zu Sebastian und dirigierte einen etwa 40cm langen Zander in das Netz. Jawohl, endlich bin auch ich entschneidert. Wurde verdammt nochmal auch Zeit. Der Bursche wurde released und gleich beim nächsten Wurf stieg mir wieder ein Zander ein, etwa gleich groß wie der Erste.

Bild 10 – Spanien 2018

Sollte der Bann nun gebrochen sein? Haben wir endlich die Fische und den passenden Köder gefunden? Erst mal tat sich nichts weiter. Wir bemerkten, dass in der Bucht immer wieder Karpfen springen, weshalb wir an das Ufer fuhren. Sebastian montierte einen O.S.P. D’Olive Draw am weighted Offset und warf ihn immer dort hin, wo er die Blasen der gründelnden Karpfen sah. Schon nach kurzer Zeit hing der erste Karpfen, welcher sich nach 30min Kampf als rund 10kg schwerer Schuppi herausstellte. Fotos, zurück damit.

Felix und Chris waren ähnlich erfolgreich. Sie hatten einen Wels, einen Zander und zwei Barsche erwischt. Alles auf einen 4“ Westin Gummi in Ufernähe.

Im weiteren Laufe des Abends gab es leider weder Bisse noch Fische. Astrid zauberte uns noch eine XXL-Portion Schweinefilet mit Knoblauch-Tomaten-Soße und Pasta und wir verzogen uns anschließend ins Bett.

Bild 11 – Spanien 2018

TAG 6


Ich war schon vor dem Wecker wach und richtig heiß aufs Angeln. Vielleicht sind die Fische jetzt auch endlich aktiver und beißwillig. Wir fuhren mit dem Boot in die Bucht, in welcher wir gestern den einen Karpfen und die beiden Zander erwischt hatten. Stundenlang klapperten wir Spot nach Spot ab und warfen ihnen alles um die Ohren, was wir an Bord hatten, aber die Fische hatten einfach keinen Bock drauf. Wir langsam auch nicht mehr, weshalb gegen Mittag wieder ins Camp fuhren und den Angeltag gefrustet beendeten.

Da die Taktik gestern Erfolg hatte, klapperten Felix und Chris erneut die Steilwände ab. Offensichtlich standen die Karpfen und Waller direkt in den Felsspalten, denn sie verzeichneten erneut einige Bisse und fingen tatsächlich nochmals einen Karpfen und einen Waller.  Weitere Fische verloren sie im Drill. Davon motiviert zog ich am Abend noch eine Stunde alleine los, allerdings…Überraschung…erfolglos.

Nach feinsten Rinderrouladen, Kartoffelbrei, Knödeln, Salat  gingen wir auch alle zeitnah in die Kiste.

TAG 7


Am Vorabend beschlossen wir, unseren Urlaub vorzeitig zu beenden, weshalb wir Freitagmorgen die Koffer packten und den Heimweg antraten. Nach rund 14 Stunden Fahrt kamen wir auch sicher zu Hause an. Geplant war eigentlich, am Samstag Nachmittag abzureisen, doch die Beißflaute und der erneut starke Wind machten uns einen Strich durch die Rechnung. Außerdem hat man dann noch einen Tag mehr für die Familie, schließlich ist ja Ostern.

SCHLUSSWORT


Es ist schwer, den Urlaub zusammen zu fassen. Wir fuhren mit einem lachenden und weinenden Auge nach Hause. Weinend, weil die Fische einfach nicht mitspielten und wir extrem schlecht gefangen haben, trotz der hartnäckigen und ausdauernden Angelei. Und so ein Urlaub ist ja auch mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Aber auch lachend, weil das Camp einfach genial war. Astrid und Bernd lieben ihren Job und die Angelei. Und sie sind exzellente Gastgeber. Ohne die beiden wäre unsere Woche nur halb so unterhaltsam geworden. Ich weiß noch gar nicht, wie ich ohne Astrid’s Abendessen auskommen soll. In Astrid und Bernd haben wir zwei Freunde gefunden und wir werden auf jeden Fall wieder in die Ebro-Lodge einchecken. Nur sind die Fische beim nächsten Mal hoffentlich genau so motiviert und willig, wie wir.

VIDEO


Spanien | Ebro-Lodge | 24.-30.03.2018 from Patrick Müller on Vimeo.

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