Erfolg als Gastangler: Die Methode für unbekannte Gewässer

Wer wie ich viel unterwegs ist und immer mal wieder als Gastangler an neue Gewässer kommt, kennt das Problem: Man hat keinen Peil vom Gewässer und weiß nicht, wo und wie man als Spinnfischer anfangen soll. Über die Jahre hat sich eine Methode bewährt, die mich auch an unbekannten Gewässern zum Zielfisch führt.

Ich bin kein Masochist, aber Gewässer, die als schwierig gelten oder die mir unbekannt sind, üben eine besondere Faszination auf mich aus. Der Reiz, den Gewässercode zu knacken, sich einen Plan zu Recht zu legen und diesen dann so anzupassen, dass es klappt – das bockt mal richtig!

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Das heißt jetzt nicht, dass man zwingend alles anders machen muss als die Locals, aber der Mut etwas Neues zu probieren, wird oft belohnt. Die Herangehensweise an unbekannte Gewässer ist dabei eigentlich immer die Gleiche und lässt sich auf fünf Schritte reduzieren.

1. Zielfisch festlegen

Wer erstmals ein fremdes Gewässer befischt, neigt dazu, sich auf alles vorbereiten zu wollen. In der Folge schleppt man seine halbe Ausrüstung mit. Klappt es dann nicht sofort mit dem Fangerfolg, fängt das große Köder und Methodenwechseln an. Die Folge: Die effektive Angelzeit sinkt rapide.

Wer allerdings mit einem Zielfisch im Kopf ans Wasser geht, schränkt von vornherein seine Materialauswahl ein und fischt konzentrierter. Außerdem fällt so die Spotauswahl auch leichter.

2. Den eigenen Instinkten vertrauen

Allzuoft lässt man sich ausschließlich von dem leiten, was man im Vorhinein über das Gewässer gelesen oder gehört hat. Dabei vergisst man gerne, dass diese Infos alt sein können oder aus einer anderen Jahreszeit stammen. Manchmal ist es schlicht ein Mythos, der sich durch dauerndes Wiederholen zum vermeintlichen Fakt gemausert hat. Infos sind gut, aber die Quelle ist entscheidend. Ich mache es bei der Spotwahl in einer Session meistens so:

  • ein bekannter Spot
  • ein interessanter Spot, den ich meist via Google Maps aussuche
  • ein scheinbar eher uninteressanter oder neuer Spot
Sonnenschein Flussszene mit Staustufe in der Wallonie

So wünscht man sich das als Gastangler: Schöner, leerer Spot an einem Flüsschen in der Wallonie. Foto: tackle-tester.de

Die Plätze werden dann systematisch vom Grund bis zur Oberfläche (wenn sinnvoll) abgeangelt. Wenn möglich, wechsele ich in den Tageszeiten die Orte und gebe jedem eine faire Chance.

3. Den eigenen Ködern/Methoden vertrauen

Auch wenn es an verschiedenen Gewässern heißt: „Nur Farbe XY fängt“ – Nehmt die Köder(-farben), denen ihr vertraut. Ich habe eigentlich immer nur einen Braunton, ein Weißfischdekor und eine Schockfarbe dabei. Das deckt die allermeisten Situationen hervorragend ab. Vorteil: Ich kann ich mir gar nicht viele Gedanken über die Farbwahl machen und konzentriere mich aufs Angeln.

Die Ködergröße wähle ich nach Zielfisch aus. Dabei spielt die Überlegung, welche Beutegröße für die Jäger gerade am leichtesten verfügbar ist die entscheidende Rolle.

Für Erkundungstouren sind klassische Shads mit Schaufelschwanz meine Allzweckwaffen. Die Gummifische lassen sich extrem variantenreich anbieten und für alle Räuber und in jedem Gewässer einsetzen. Wenn man sich für Modelle mit Bauchschlitz entscheidet sind die Köder auch für Rigs mit Offsethaken perfekt. Dann muss man sich schonmal keine Gedanken über Wasserpflanzen machen und die Hängeranzahl sinkt ebenfalls.

Angler mit Barsch gefangen auf Flash-J Gummifisch

Es müssen nicht immer die ganz großen Fische sein – als Gastangler freut man sich auch mal über kleinere Fische. Foto: tackle-tester.de

Ich verzichte mittlerweile ganz auf die klassischen Jigköpfe und nehme nur eine Handvoll unterschiedlicher Bulletweights sowie Perlen und Stopper mit. Das Texas-Rig kommt bei mir immer zuerst zum Einsatz, weil es sich jiggen, schleifen und leiern lässt.

Ist mit Hechten zu rechnen, führt allerdings an Stahl kein Weg vorbei. Das Texas-Rig läasst sich aber auch sehr gut auf Stahlvorfächern vor-riggen: Nachteil: Der Wechsel des Bulletweights ist nicht möglich. Als Alternative bietet sich hier die Cheburashka-Methode an, auch wenn sie beim schnellen Einleiern gefühlt nicht ganz so gut performt. Dafür wechselt man Gewicht und Köder schneller.

4. Eine Joker-Strategie zurechtlegen

Zwei Fächer in der Expeditions-Box reserviere ich mir für Joker-Köder. Meist sind das Hardbaits. Oder präziser: ein tauchender und ein flachlaufender Suspender mit Weitwurfsystem. Die kann man von gemächlich bis extrem aggressiv führen und ist so in der Lage zu reagieren, wenn die Situation es erfordert.

5. Einfach mal was „dummes“ machen

Bringt die Erfahrungen von euren früheren Erkundungstouren und eurem Heimatgewässer ein und macht ruhig mal etwas ganz anders, als es euch im Angelladen geraten wurde oder ihr es bei den Kollegen am Wasser seht.

Das betrifft sowohl die Köder-Führung, als auch die Farbwahl oder eben die Spots. Denn das ist der große Vorteil an unbekannten Gewässern, man weiß nicht was „richtig“ ist und hat so immer die Chance etwas Neues herauszufinden, was dann richtig gut funktioniert.

6. Erwartungen nicht zu hoch schrauben

Wer mit dem Gedanken an Kapitale ans Wasser geht, kann ja eigentlich nur enttäuscht werden. Ist bestimmt auch Typ-Sache, aber ich freue mich auch über kleine Erfolgserlebnisse an unbekannten Gewässern. Klappt es dann doch mit etwas Großem ist die Freude umso größer.

2 Kommentare

  1. Super Artikel. Ich erforsche gerade die Gewässer in meiner neuen Heimat und bin bisher öfter Schneider gewesen als mir lieb wäre. Einige gute Tipps aus dem Artikel werde ich mir zu Herzen nehmen!

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