Testbericht: Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

Die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti lässt uns nach ausführlicher Testzeit nach den Sternen greifen – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei dieser Spinnrute handelt es sich um einen Artikel aus dem Partnerprogramm von Nippon-Tackle.de – auf welches wir der Vollständigkeit halber verweisen. 

Man versetze sich in meine Lage: Ich bin leidenschaftlicher Spinnfischer und lebe in einer Region, deren Gewässer keine Boote zulassen. Zudem fehlt mir das passende Kleingeld, sowie der Abstellplatz für einen schicken Kahn.  Dazu kommt auch noch, dass mein Lieblingsfisch der Barsch ist, auf welchen ich am liebsten Tag und Nacht angeln würde… Aus dieser Situation hilft nur ein Ausweg — und zwar die ideale Uferspinnrute für Barsch!

Doch was sollte diese für Eigenschaften aufweisen und wo liegt mein Anwendungsbereich? Nun sie muss ausreichend lang sein, um eine hohe Wurfweite erziehlen zu können, sowie einen guten Hebel für einen sicheren Anschlag mitbringen. Ihr Blank sollte eine hohe Rückstellgeschwindigkeit aufweisen, um die Köder entsprechend zu animieren, dabei sensibel mit einer sehr guten Rückmeldung ausgestattet und nicht zu straff in der Spitze für die weichen Barschmäuler sein. Die Balance und das Gesamtgewicht muss auch stimmen, um den ganzen Tag ermüdungsfrei fischen zu können…

Ja, so würde ich sie beschreiben – meine perfekte Uferspinnrute.

Ob ich mit der Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti endlich die Lösung in den Händen halte? Die Frage wird das nachfolgende Review beantworten 😉 – viel Spaß beim Lesen!

Technische Daten - Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

Hersteller:Tailwalk
Serie:Moonwalker
Modellbezeichnung:EG86ML-ti
Typ:Spinning
Länge:2,62m (8'6")
Transportlänge:134cm – zweiteilig
Power:ML (Medium-Light)
Taper:Fast
Aktion:semiparabolisch
Wurfgewicht:ca. 24g
Empfohlene Schnurstärke:PE 0.5-0.8
Blank:99% Kohlefaser, Blank mit X-Wrapping Technologie
Blankdurchmesser:Tip 1,4mm / Butt 11,0mm
Beringung:Fuji K-Guides mit SIC Einlage und Titanium-Frame
Anzahl Ringe:9
Griffmaterial:EVA Split Grip + Fuji VSS Rollenhalter
Gesamtgewicht:ca. 108g / 105g laut Küchenwaage
Preis:329 Euro

LOOK & FEEL


Unboxing

Was bei Nippon-Tackle bereits zum nicht selbstverständlichen Standard gehört ist der Versand der Spinnruten in einem absolut bruchsicheren PVC-Rohr, welches für einen beschädigungsfreien Transport der heiß erwarteten Ware sorgt. Natürlich darf das Tütchen Gummibärchen dabei genauso wenig fehlen!

Schnell von Luftpolsterfolie und Co befreit zog ich ein schwarz-graues Futteral aus dem Versandrohr, welches leider nicht annähernd den Erwartungen des gehobenen Preisniveaus standhält. In Punkto Futteral haben die Jungs von Tailwalk bei der Moonwalker noch Luft nach oben – als kleiner Verbesserungsvorschlag wäre z.B. ein schickes Transportrohr mit einem gepolstertem Neoprenfutteral zu nennen 😛 .

Nun gut – es ist wie es ist, aber dieser kleine, anfängliche Kritikpunkt soll nun nicht das Produkt überschatten. Lasst uns zu den harten Fakten – der Hardware – übergehen 😉 …

  Diashow – Unboxing Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

Design

Kommen wir auf das Design der Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti zu sprechen, welches Tailwalk-typisch mal wieder mehr als gelungen ist. Angefangen beim schwarzen Blank, der von Kopf bis Fuß mit zusätzlichen Carbon-Tapes in verschiedenen Kreuzungen überzogenen ist, versprüht die Moonwalker einen anmutigen und dezenten Charme. Von Griffende bis zum Moonwalker-Schriftzug ist der Blank matt gehalten und von einer Zierwicklung getrennt, wird der Rest des Blanks von einer dünnen Schicht Klarlack geschützt. Wie es sich für eine Tailwalk-Rute dieser Preisklasse gehört ist der Blank allerdings ungeschliffen, was nur bei tadelloser Kohlefaser möglich ist.

Die Ringstege haben ein verchromtes Finish und heben sich gelungen vom dunklen Blank ab. Die tiefschwarzen Epoxyschichten um die Ringwicklungen sind ebenfalls mit Klarlack überzogen und mit orangenen Ziernähten aufgehübscht. Beim Split-Grip wird hochwertiges, schwarzes Duplon verwendet und eine Carbonschraube im X-Wrapping Look versteckt das Gewinde des Rollenhalters komplett. So muss das sein – freistehendes, störendes Gewinde muss nicht sein! Der abschließende EVA-Knob des unteren Split-Grips ist mit einem Zierring und dem Tailwalk-Schriftzug versehen – auf eine Abschlusskappe wird verzichtet.

Wer jetzt denkt, dass sich die Optik ganz lecker liest, kann sich das gleich anhand der nachfolgenden Bilder bestätigen lassen.

  Diashow – Design Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

Komponenten

Die verwendeten Komponenten runden das gelungene Erscheinungsbild technisch perfekt ab, denn es sind lediglich sehr hochwertige Materialien verbaut. Angefangen mit den Fuji Titanium Guides im K-Style angebracht und mit einer gut eingebetteten SiC-Einlage ausgestattet bis hin zum VSS-Rollenhalter aus dem gleichen Hause. Der komplette Aufbau der Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti bringt gerade einmal federleichte 105 Gramm auf die Waage, was für eine 2,62m lange Rute ein absoluter Spitzenwert ist.

Zum Blank macht Tailwalk wie immer keine näheren Angaben, außer dass dieser mit einem Kohlefaseranteil von 99% und damit nur einem Restanteil von 1% Harze sehr hochwertig ist. Ein weiterer Punkt ist mehr als offensichtlich – und zwar das eingesetzte X-Wrapping.

X-Wrapping über den kompletten Blank wird nur von wenigen Herstellern angeboten oder besser gesagt: nur wenige Hersteller können überhaupt so einen Blank fertigen lassen, wobei die Vorteile in Form von weniger Verdrehung und mehr Power ganz klar auf der Hand liegen. Tailwalk setzt an dieser Stelle noch einen drauf, obwohl es unklar ist, was damit im Detail bezweckt werden soll. Und zwar zieht sich nicht ein und die selbe Kreuzwicklung von unten nach oben durch den Blank, sondern die Anordnung der Carbon-Tapes variiert auch noch. Bis heute habe ich so einen Blankaufbau noch nie gesehen – mehr kann ich dazu aber leider auch nicht sagen.

  Diashow – X-Wrapping Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

Auf eine Hakenöse wird – fast typisch – verzichtet. Man kann sich aber mit flexiblen Anbauteilen wie z.B. dem original Fuji Hook-Keeper selbst behelfen.

Anbei noch einige Detailmaße der Moonwalker:

  • Der Griffaufbau ist in Summe 41cm lang
    • dabei beträgt der Foregrip 11,5cm und der Reargrip 6cm

Verarbeitung

Und schon sind wir bei der Verarbeitung angekommen – wer meine Tailwalk-Reviews kennt, der wird sich jetzt leider langweilen, denn auch bei der Moonwalker EG86ML-ti lässt sich die Tackle-Schmiede mal wieder nicht lumpen. Die Verarbeitung ist „gewohnt“ absolut tadellos und ich zähle lediglich der Vollständigkeit halber auf: kerzengerader Blank, 1A gerade angebrachte Ringe in einer Flucht, keine Lacknasen, Klebereste oder andere unschöne Störfaktoren und Schlampereien – last but not least perfekt sitzendes Duplon. Chapeau Tailwalk, Chapeau.

Trockenwedeln & Biegekurve

Das obligatorische Trockenwedeln direkt nach dem Auspacken, sowie der mindestens genauso berühmte Deckentest zeigt eine sensible Spitze, die genau einmal nachschwingt und anschließend – einer immensen Rückschnellgeschwindigkeit des Blanks sei Dank – sofort wieder stillsteht.

Bei einer Belastung von 500g zeigt sich trotz Fast Taper die etwas über „semiparabolische“ Biegekurve der Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti. Der Blank gibt bis zum Leitring nach, ab welchem dann ein kräftiges Backbone einsetzt.

Beim Leitring ist Schluss mit Lustig – das Backbone setzt ein

SETUP


Ohne die passende Spinnrolle kann die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti nicht viele Fische fangen, also bin ich schnellst möglich auf die Suche nach einer passenden Partnerin für den schwarzen Blitz gegangen. Nach Sichtung meines Rollenpools kam nur eine Kandidatin in Frage – guess who? Affirmative, Daiwa 15′ Luvias 2506H. Optisch und technisch ergibt das Gespann nahezu eine vollkommene Symbiose, welche perfekt ausbalanciert ist. Die erhöhte Übersetzung der Luvias ermöglicht eine zackige Köderführung – sofern diese benötigt wird.

Als Schnur dient Daiwa’s x8 J-Braid in 0,10mm, welche sich bis dato als Preis-Leistungssieger bei mir bewährt hat.

  Diashow – Setup Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

IN DER PRAXIS


Jetzt wird es ernst für die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti, denn die Stunden am Wasser zeigen, ob die Suche nach der perfekten Ufer-Barsch-Spinnrute ein Ende hat.

Wieso eigentlich Tintenfischrute, äh ich meine Eging-Rute? Warum diese Zweckentfremdung? Schaut man sich die Methode an, mit der die sogenannten Egi-Lures durchs Wasser bewegt werden und welche Eigenschaften die Spinnrute zur Köderführung und Bissverwertung dazu beitragen muss, wird die Sache klarer. Was könnte den besser zum Barsch passen als eine Spinnrute, welche eine präzise und zackige Köderführung zulässt, dabei aber die nötige Power beim Hook-Setting aufweist und im Drill dennoch so gut abpuffert, dass ein Ausschlitzen vermieden wird? Eben – genau diese Charakteristik wünscht man sich doch bei einer guten Softbait-Rute!

So viel sei schon einmal verraten – die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti hat all diese Features, also verlieren wir besser keine Zeit sondern stürzen uns in die Details.

Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti – der Perfektion so nahe?

Der Blank – Aktion, Handling & Sensibilität

Wie bereits im Trockendock nachgewiesen, verfügt die Moonwalker ML über eine sogenannte progressive Aktion, was sich wie folgt darlegt: bei der Köderführung arbeitet nur die sensible Spitze, während beim Drill der Blank bei gewisser Gegenwehr in eine Parabolik übergeht, welche Kopfschläge und Richtungswechsel puffert, aber durch ein immenses Backbone ab einem bestimmen Punkt auch keine Fluchten mehr zulässt. Man kann also wirklich sehr viel über die Rute arbeiten. Als tolles Praxisbeispiel ist der Beifang eines 1,30m langen Wels, welcher mir beim Barschangeln eingestiegen ist. Die Kraftprobe meisterte die Rute absolut souverän und konnte den Fisch nach knapp 30 Minuten bändigen.

Kraftprobe: Moonwalker ML vs 1,30m Wels

Durch das sehr geringe Gesamtgewicht der Rute, kombiniert mit einer leichten Rolle und einer guten Balance, kann man die Köder Stunden lang in die Fluten pfeffern. Wichtig ist, dass man die Vorzüge des Fuji-VSS erkennt und mit der kompletten Hand vor den Rollenfuß greift. Bei dieser Haltung ist die Balance und damit auch das Handling am Besten. Der Griff ist lang genug für einen vernünftigen Hebel und auch beim Auswerfen lässt sich der Griffaufbau gut zweihändig bedienen, um die nötige Kraft in den Wurf zu legen.

Die vielleicht beste und wichtigste Eigenschaft der Moonwalker ML ist die Sensibilität und damit die hochauflösende Rückmeldung. Das Auftreten bereits leichter Gewichte am Grund, das Annuckeln des Gummiköders durch einen Baby-Barsch, die verschiedenen Gewässerstrukturen, Bisse während des ersten Wasserkontakt des Köders – all das wird absolut verlässlich als haptisches Feedback an den Angler zurückgegeben. Bis heute habe ich an der Rute eine Bissverwertung von 100%, was wirklich unvorstellbar ist.

Geeignete Anwendungen & Methoden

Ich persönlich sehe die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti als reine Softbaitrute, denn hier liegt einfach ganz klar ihre Kernkompetenz. Dabei spielt es so gut wie keine Rolle, in welcher Form das Blei den Gummiköder auf Weite bringt: Jigkopf, Shaky Head, Rubberjig, Dropshot-, Texas- und Carolinarig – all das ist prädestiniert für die Turbopeitsche. Egal ob gejiggt, gefaulenzt oder über den Grund geschliffen – die Moonwalker erweist sich als zuverlässiges Werkzeug bei der Suche und gezielten Jagd der gestreiften Räuber.

Hardbaits gehören nicht zum getesteten Köderportfolio, denn diese fische ich lieber an kürzeren Ruten mit sehr kurzem Griff, für maximales Handling. Dafür ist mir der Aufbau der Moonwalker ML dann doch zu lange. Eine Hardbait-Untauglichkeit will ich ihr aber eigentlich nicht attestieren – ich habe einfach noch keinen Wobbler an ihr geworfen und gefischt.

  Stärken & Schwächen der Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

Moonwalker aka „der Weitenjäger“

Das wichtigste Must-Have der perfekten Uferspinnrute ist die Wurfweite. Hier schneidet die Rute überdurchschnittlich gut ab, denn wir haben es mit einem wahren Weitenjäger zu tun. Bedingt durch die Aktion und die Rückstellgeschwindigkeit, haben wir es auf gar keinen Fall mit einem Wabbelstock zu tun, bei welchem die Energie im Nirvana verpufft. Das Gegenteil ist der Fall – die Schnelligkeit, welche im Blank steckt, sorgt für eine 1A Kraftübertragung. Die Kreuzwicklung wird ihr nötiges an dieser Stelle beitragen und all das macht die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti zur Köderrakete.

Reales Wurfgewicht

Das Wurfgewicht bzw. die Angabe ist bei Eging-Ruten ja immer so eine Sache. Auf dem Blank steht aufgedruckt „Egi Max 3.5″… Mit dieser Angabe können wir in Deutschland natürlich wenig anfangen. Die Jungs von Nippon-Tackle haben ein Wurfgewicht von maximal ca. 24g ausgerechnet. Kommt das hin?

Der untere Bereich startet meiner Meinung nach bei einem Gesamtködergewicht (Gewicht + Köder) von 6 Gramm. Bei leichteren Gewichten läd sich die Rute nicht genug auf und auch die Rückmeldung bzw. der Köderkontakt ist nicht ausreichend gut. Im Idealbereich liegen Jigköpfe/Bullets/etc von 7 Gramm bis 12 Gramm + 3 Inch oder 4 Inch Trailer. Mein persönliches Maximum liegt bei 15g Jigkopf und 4 Inch Gummifisch, was in etwa 20 Gramm All-In ergibt.

Wurfgewichtstabelle

Anbei noch das ein oder andere Köderbeispiel, gepaart mit dem ein oder anderen Barsch. Die Kirsche an der Moonwalker ML steht leider noch aus.

  Diashow – Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti

FAZIT


Dann wollen wir die eingangs gestellte Frage mal beantworten: „Handelt es sich um die perfekte Uferspinnrute?“ – der spezialisierte Barschangler sagt „Ja – es ist die perfekte Ufer-Softbait-Spinnrute für den Zielfisch Barsch“. Die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti bringt einfach alles mit, um vom Ufer aus erfolgreich zu sein. Sofern der Köder ein Softbait ist und die Barsche erfolgreich gefunden werden, steht dem ultimativen Erlebnis rein gar nichts im Wege. Die Rute erreicht auf eine Skala von 1 bis 10 satte 10 Punkte und belegt damit den ersten Platz der Lieblingsrute im heimischen Rutenwald. Abschließend fasse ich alle Stärken der Eging-Rute aus dem Hause Tailwalk noch einmal für euch zusammen:

  • beste Fuji-Komponenten
  • makellose Verarbeitung
  • JDM-Feeling der höchsten Güteklasse
  • federleicht und trotzdem so viel Power
  • sehr gute Rückmeldung
  • sehr schnelle Rückstellgeschwindigkeit
  • absoluter Weitenjäger

Diese Konstellation schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. Mit einem Preis von 329€ gehört die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti zur Spitze der gehobenen Mittelklasse und richtet sich somit an Enthusiasten und alle die es werden wollen, welche am Wasser und vom Ufer aus keine Kompromisse eingehen.

Zu erwerben gibt es das Sahnestück exklusiv bei Nippon-Tackle und deren Händlernetzwerk .

LANGZEITERFAHRUNG


Eben mal den Lieferschein herausgekramt: die Tailwalk Moonwalker EG86ML-ti befindet sich seit Anfang August 2017 in meinem Besitz. Lasst mir für die wichtige Langzeiterfahrung noch bis nächstes Jahr zeit, um keine Fragen mehr offen zu lassen.

** TO BE CONTINUED ** 

9.0 Japanischer Weitenjäger
  • Preis-Leistungs-Verhältnis 7
  • Verarbeitung 10
  • Ausstattung 10
  • Performance 10
  • Verfügbarkeit/Service 8

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